Ärzte Zeitung, 02.11.2004

Immuntoleranz läßt sich bei Menschen teilweise induzieren

Reduktion von Immunsuppressiva bei Nierenempfängern möglich / Kultivierte Lymphozyten töten reaktive Leukozyten des Empfängers

KIEL (nsi). Etwa die Hälfte der verpflanzten Nieren gehen nach zehn Jahren verloren. Die Infusion von Spenderlymphozyten mit immunregulatorischen Funktionen kann zumindest eine teilweise Toleranz des Empfängers gegen das Spendergewebe vermitteln.

Die Ergebnisse erster klinischer Untersuchungen dazu hat Professor Fred Fändrich von der Universität Schleswig-Holstein in Kiel bei der Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft in der Hansestadt vorgestellt. Seit längerem versuchen Wissenschaftler, eine spenderspezifische Toleranz bei Organ- oder Gewebeempfängern hervorzurufen, ohne daß bislang eine bestimmte Methode in die klinische Routine hätte übernommen werden können.

Die Teams um Fändrich und den Regensburger Transplantationsmediziner Professor Hansjürgen Schlitt verwenden Lymphozyten monozytären Ursprungs, die sie aus der Milz oder dem Blut des Spenders isolieren und dann fünf Tage lang mit speziellen Wachstumsfaktoren kultivieren. Die so angereicherten Transplantat-Akzeptanz-induzierenden Zellen (TAIZ) unterdrücken die gemischte Lymphozytenreaktion, unter anderem, indem sie spenderreaktive, weiße Blutkörperchen des Empfängers töten.

Die Forscher haben zehn Empfänger von nach dem Tod entnommenen Nieren behandelt sowie ein junges Mädchen, dem der Vater lebend eine Niere gespendet hatte. Dieses Organ sei häufig abgestoßen worden, die Zahl der Abstoßungsreaktionen nach Infusion von TAIZ sei aber deutlich verringert worden, so Fändrich.

Bei den zehn Empfängern postmortal gespendeter Nieren war das Ziel, nach Behandlung mit TAIZ (am Tag fünf nach Organübertragung) die Immunsuppressiva langsam reduzieren zu können, ohne Abstoßungen hervorzurufen. Die Probanden begannen mit einer Tripeltherapie aus Steroiden, Rapamycin und Tacrolimus, die in dieser Reihenfolge sukzessive in sechs Monaten ausgeschlichen werden sollten.

Alle Patienten und neun der übertragenen Organe überlebten die bislang einjährige Beobachtungszeit. Ein Patient kam am Ende des Beobachtungszeitraums ohne Immunsuppressiva aus, ein weiterer benötigte nur noch Tacrolimus in niedriger Dosierung. Bei zwei Patienten wurden die Organe beim Ausschleichen der Medikamente abgestoßen, sechs Patienten brachen die Studie aus nicht-immunologischen Gründen ab.

Die Methode sei noch kein Durchbruch, hieß es in Kiel, aber ein vielversprechender Ansatz.

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