Ärzte Zeitung, 06.06.2006

Nieren-Lebendspende zwischen Ehepartnern funktioniert

Durch körperlichen Kontakt kommt es zu einer Desensibilisierung / Patientin mit Niere vom Ehemann will wieder zurück in den Beruf

WIESBADEN (sko). Lebendspender müssen nicht unbedingt mit dem Empfänger verwandt sein, um gute Voraussetzungen für eine erfolgrei-che Transplantation mitzubringen. Auch zwischen Ehepartnern funktioniert eine Organübertragung. Das liegt nicht etwa am Trauschein, sondern daran, daß durch den körperlichen Kontakt eine Desensibilisierung gegenüber dem Partner stattfindet.

Diese Art der Transplantation war auch die erfolgreiche Therapie bei einer 30jährigen Patientin, die auf-grund einer IgA-Nephropathie Zei-chen einer terminalen Niereninsuffi-zienz entwickelte. Professor Teut Risler von der Universitätsklinik Tübingen stellte diese Fallgeschichte bei einem vom Unternehmen MSD organisierten Fallseminar beim Internistenkongreß in Wiesbaden vor.

Die Patientin hatte seit der Kindheit rezidivierende Stirn- und Kieferhöhlenbeschwerden mit Antibiotikabehandlung, was wahrscheinlich die Ursache für die Ablagerung der IgA-Immunkomplexe in der Niere war. Nachdem sie die Therapie mit Losartan (Lorzaar®) und Trandolapril, was sich in einer Studie als sehr wirksam zum Erhalt der Nierenfunktion bei IgA-Nephropathie erwiesen hat, selbst absetzte, verschlechterten sich die Nierenfunktion und der Allgemeinzustand, und es erfolgte die Nierentransplantation mit dem Ehemann als Spender.

"Diese Art der Transplantation funktioniert zum Teil sogar besser als bei Verwandten. Durch den Kontakt, den die Eheleute pflegen, werden sie desensibilisiert und haben nicht mehr so viele Antikörper gegen den Partner", berichtete Risler. Außer-dem wies er auf die Möglichkeit hin, die Nierentransplantation schon vor-greifend, also bevor ein Patient mit einer Niereninsuffizienz dialysepflichtig wird, vorzunehmen.

Die Patientin erholte sich nach der erfolgreichen Transplantation gut, nach drei Monaten sei ihr Allgemein-zustand jetzt wieder so hergestellt, daß sie zurück in den Beruf will, be-richtete Risler. Allerdings ist auch die Funktion der neuen Niere bedroht: "In 30 bis 40 Prozent der Fälle ist mit der Zeit auch die transplantierte Niere von der IgA-Nephropathie betroffen", sagte Risler. Von diesen Patienten werden jedoch nur fünf bis acht Prozent wieder niereninsuffizient.

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