Ärzte Zeitung, 26.05.2006

"Noch nie da gewesener Großeinsatz"

Deutsche Rettungs- und Sanitätsdienste fühlen sich für Fußball-WM gut gewappnet

BERLIN (ddp.vwd). Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) spricht von einem Großeinsatz, "wie er noch nie da gewesen ist". Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) erwartet mit der Fußball-WM den größten Sanitätseinsatz in seiner Geschichte.

Seit Monaten bereiten sich die deutschen Rettungs- und Sanitätsdienste auf das Mega-Event vor. Die Einsatzkräfte sehen sich für den vierwöchigen Dauereinsatz ab 9. Juni gewappnet, auch dank der "großen Tests" für die WM - Weltjugendtag und Confederations Cup - im vergangenen Jahr.

"Wir sind für alle Eventualitäten in den Stadien gerüstet", versichert DRK-Sprecherin Stephanie Krone. Zugleich räumt sie ein: "Große Sorgen machen uns allerdings die öffentlichen Plätze." Im Falle der Fanfeste und der sogenannten Public-Viewing-Events wisse man oft lange nicht, ob 10 000 oder 100 000 Fans zusammenkommen.

Entsprechend schlecht könne die Lage im Vorfeld eingeschätzt werden. Größte Flexibilität der Einsatzkräfte sei da gefragt. Zur WM rechnet die Polizei mit bundesweit etwa 400 Veranstaltungen auf Plätzen mit Großleinwänden. Hinzu kommen viele Fanfeste. "Dort lauern die größten Unwägbarkeiten", bestätigt Harald Schottner, Leiter des Referats Notfallvorsorge beim ASB.

DRK, ASB, Malteser Hilfsdienst (MHD) und Johanniter Unfallhilfe mobilisieren zusammen etwa 40 000 Einsatzkräfte. Weitere mehrere zehntausend Helfer halten sich für etwaige Katastrophenfälle in Bereitschaft.

Neben dem Großeinsatz WM stehen die Dienste vor der Herausforderung, die alltäglichen Einsätze zu bewältigen. Das Technische Hilfswerk (THW) steht an jeder Spielstätte mit 225 Mann bereit und sorgt unter anderem für die Absicherung der Zufahrtswege. Auch die Bundeswehr hält für Unglücksfälle im Rahmen einer technischen Amtshilfe unter anderem zusätzliche Sanitätskräfte vor und steuert zur Verpflegung der Einsatzkräfte 150 000 Mahlzeiten bei.

Mitarbeiter aller Sanitätsdienste wollen vor den Stadien und an kritischen Punkten wie Bahnhöfen in Behandlungszelten und -containern Position beziehen. In Frankfurt am Main baut die Johanniter Unfallhilfe zusammen mit dem MHD eine "zentrale Ausnüchterungsambulanz" auf.

"Wir sind gut aufeinander abgestimmt", lobt Villa Vicencio, Sprecherin bei der Johanniter Unfallhilfe, die "reibungslose Zusammenarbeit" der Hilfsdienste im Vorfeld des Turniers.

In allen zwölf WM-Stadien wurde der Ernstfall mit großen Katastrophenübungen unter Mitwirkung der Sanitätsdienste, des THW, der Polizei, der Feuerwehren und vieler Statisten geprobt. Im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion hat man etwa eine Verpuffung in einem Zuschauerblock mit anschließender Massenpanik sowie 20 Toten und 120 Verletzten simuliert. In Berlin ließ man zu Übungszwecken eine Großleinwand einstürzen.

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