Ärzte Zeitung, 11.10.2006

Transplantation ist nicht immer die Lösung bei Leberversagen

Bei akutem Leberversagen besteht die Chance, daß sich das Organ wieder erholt / Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es bei der Übertragung an

MÜNCHEN (wst). Patienten mit akutem Leberversagen können innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen auf eine neue Leber hoffen. Nicht immer aber ist die schnellste Entscheidung auch die beste.

Etwa 10 bis 14 Prozent aller Lebertransplantationen erfolgen bei Patienten mit akutem Leberversagen. Darauf hat Privatdozent Dr. Florian Löhe von der Chirurgischen Klinik des Uniklinikums München-Großhadern aufmerksam gemacht.

Häufigste Ursachen für ein akutes Leberversagen seien akute Intoxikationen, eine akute fulminante Hepatitis oder ein akut auftretender Morbus Wilson. Nicht selten bleibt aber die Ätiologie eines akuten Leberversagens unklar, sagte Löhe auf einer Veranstaltung der Falk Foundation und des Unternehmens Essex in München.

    Warten oder transplantieren? Die Entscheidung ist schwierig.
   

Trotz Spendermangels gelinge es heute praktisch immer, für Patienten mit akutem Leberversagen innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ein Ersatzorgan bereitzustellen. Die Organisation Eurotransplant, die die Organe vermittelt, definiert diese Eilindikation allerdings äußerst streng. In Frage kommen meist nur Patienten, die das Leberversagen sozusagen aus heiterem Himmel trifft.

Ein akut exazerbierendes Leberversagen im Verlauf einer chronischen Lebererkrankung gilt nach den Eurotransplant-Richtlinien als chronisches Leberversagen und reicht nicht aus, um höchste Priorität eingeräumt zu bekommen. Die gleiche Dringlichkeitsstufe wie Patienten mit echtem akutem Leberversagen haben auf der Transplantationsliste nur Patienten mit akutem Transplantatversagen.

Selbst wenn bei einem akuten Leberversagen ein nahezu ideales Spenderorgan rasch bereitsteht, sei die Entscheidung zur Transplantation nicht einfach, sagte Löhe. Denn bei akutem Leberversagen besteht oft auch die Chance, daß sich das Organ wieder erholt.

Eine lebenslang erforderliche Immunsuppression und andere Nachteile blieben dann erspart. Transplantiert man zu früh, nimmt man den Patienten womöglich diese Chance. Wartet man zu lange, kann der optimale Transplantationszeitpunkt bereits verpaßt sein.

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