Ärzte Zeitung, 12.04.2007

Knorpel zur Transplantation wird in einer Matrix gezüchtet

Mit neuen Methoden sind Komplikationen wie die Transplantat-Hypertrophie deutlich seltener als beim klassischen Verfahren

BERLIN (gvg). Die autologe Knorpelzelltransplantation (ACT) wird bei traumatischen und degenerativen Knorpelschäden angewandt. Neue Matrixtechniken sollen Komplikationen vermindern und den Eingriff vereinfachen. Neue Methoden zur Zellgewinnung sollen außerdem den Nachschub an Material sichern.

"Es gibt immer noch einen eklatanten Mangel an randomisierten, kontrollierten Studien zur autologen Knorpelzelltransplantation", sagte Dr. Mats Brittberg von der Universität Göteborg auf dem Kongress der Orthopäden und Unfallchirurgen in Berlin.

Retrospektiv seien die Erfahrungen allerdings hervorragend. Er selbst überblickt eine Kohorte mit 75 Patienten, bei denen eine Kniegelenk-ACT schon länger als zehn Jahre zurückliegt. "Bei 95 Prozent dieser Patienten verbessern sich Beschwerden und Funktion langfristig", so Brittberg. Nicht ganz so gut seien die Resultate bei der ACT am Sprunggelenk. Hier liege die Quote allenfalls bei 79 Prozent.

Zumindest eine kontrollierte Studie habe ergeben: Die ACT hat nicht wesentlich bessere Resultate als die Knochenmarksstimulation durch Mikrofrakturierung des angrenzenden Knochens. Allerdings ist diese Alternative weniger aufwändig. Deshalb ist die ACT für Brittberg auch heute noch nicht die Therapie der ersten Wahl. "Sie bleibt ein Zweitverfahren, das angewandt werden sollte, wenn die Knochenmarkstimulation versagt", so der Experte.

Beim klassischen ACT-Verfahren werden aus Knorpelarealen, die für die Gelenkfunktion nicht notwendig sind, Knorpelzellen per Biopsie gewonnen. Die Zellen werden im Labor vermehrt, an der defekten Stelle implantiert und mit einem wasserdicht angenähten Periostlappen fixiert. "Der Nachteil dabei ist, dass eine lange Arthrotomie nötig ist, und dass es häufiger zu einer Hypertrophie des Transplantats kommt, die wohl vom Periost ausgeht." Darauf hat Dr. Christoph Gaissmaier von der Unfallklinik Tübingen hingewiesen.

Wie andere Arbeitsgruppen experimentieren die Tübinger Wissenschaftler deswegen mit der Matrixtechnik: Die in Zellkultur angereicherten Knorpelzellen werden in eine Matrix eingebettet. Hierbei handelt es sich um einen Schwamm aus Kollagen und Chondroitinsulfat, umgeben von einer reißfesten Kollagenmembran. Dieses Konstrukt ist minimal-invasiv implantierbar und wird mit Einzelkopfnähten im Knorpel fixiert. "Eine wasserdichte Naht ist nicht mehr nötig", so Gaissmaier.

Bei mittlerweile 500 Patienten mit traumatischem oder degenerativem Knochenschaden war der therapeutische Nutzen ähnlich wie bei der klassischen ACT. Vor allem aber ging es den Tübingern um die Komplikationen. Unerwünschte Op-Folgen gab es deutlich seltener als beim klassischen Verfahren.

So kam die problematische Transplantat-Hypertrophie lediglich bei 1,6 Prozent der Patienten vor. Bei konventioneller ACT dagegen seien es je nach Studie 12 bis 43 Prozent, so Gaissmaier. "Das Verfahren steht erst am Anfang, aber es zeigt sich doch schon heute eine Überlegenheit im Vergleich zur konventionellen Technik", sagte der Wissenschaftler auf dem Kongress in Berlin.

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