Ärzte Zeitung, 09.11.2006

Die meisten Pankreastransplantate funktionieren heutzutage jahrelang

Nach Inselzell-Transplantation brauchen 42 Prozent zunächst keine Insulintherapie

BAD NAUHEIM (ner). Neue Immunsuppressiva und Op-Techniken haben dazu beigetragen, daß verpflanzte Bauchspeicheldrüsen heute länger funktionieren: Acht von zehn transplantierten Bauchspeicheldrüsen arbeiten auch noch nach drei Jahren und damit deutlich länger als verpflanzte Organe vor 20 Jahren. Mit der Transplantation von Inselzellen sind bisher nicht ganz so große Erfolge zu verzeichnen.

Stammzellen aus dem Pankreas: Das Filamentprotein Nestin (grün) zeigt an, ob daraus Inselzellen entstehen können. Foto: Privatdozent Jochen Seufert, Universität Würzburg

Angezeigt ist die Pankreas-Transplantation in erster Linie bei Typ-1-Diabetikern, bei denen wegen terminaler Niereninsuffizienz eine Spenderniere implantiert werden muß. In solchen Fällen können Niere und Pankreas simultan verpflanzt werden. Typ-2-Diabetiker kommen nur in Ausnahmefällen für eine Pankreas-Transplantation in Frage.

Denn ihr Pankreas produziert im Gegensatz zu Typ-1-Diabetikern noch eine gewisse Menge an Insulin, sagte Professor Joachim Hoyer aus Marburg bei einem Symposium in Bad Nauheim. Zudem sei es schwierig, mit einem Ersatzorgan die periphere Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetes zu überwinden.

Mitte der 80er Jahre funktionierte nur jedes zweite transplantierte Pankreas drei Jahre lang. Heute sind es etwa 80 Prozent. Nach Angaben von Hoyer ist das vor allem auf verbesserte Op-Techniken zurückzuführen, aber auch auf neue Immunsuppressiva sowie deren Kombinationen.

Eine Alternative zur kompletten Pankreas-Transplantation ist die isolierte Übertragung Insulin-produzierender Inselzellen. Dabei wird das exokrine Gewebe des Spenderorgans mit Hilfe von Enzymen, den Kollagenasen, entfernt. Nach weiteren Schritten bleiben Zellhäufchen von 2000 bis 3000 Zellen übrig. 80 Prozent davon seien Insulin-produzierende Betazellen, erläuterte Professor Reinhard Bretzel aus Gießen. Diese Zellsuspension werde über die Pfortader in die Leber der Patienten injiziert.

Bis 2004 sind weltweit 851 Patienten auf diese Weise behandelt worden, mit oder ohne simultane oder konsekutive Nierentransplantation. Davon wurden 89 Patienten in Gießen behandelt. "Bei acht von zehn Patienten funktionieren die Zellen nach einem Jahr", sagte Bretzel.

42 Prozent der Patienten bräuchten dann kein Insulin mehr. Ansonsten reiche meist die einmal tägliche Injektion eines Basalinsulins. Nach fünf Jahren sind jedoch lediglich noch zehn Prozent der Patienten Insulin-unabhängig, da auch die transplantierten Zellen allmählich zerstört würden, sagte Bretzel.

Die Hoffnung, daß eine weniger starke Immunsuppression als bei kompletter Organübertragung nötig werde, hat sich nicht bestätigt. Dagegen ist der Krankenhausaufenthalt mit durchschnittlich fünf Tagen kurz.

Künftige Optionen sind nach Bretzels Angaben die Verwendung von Inselzellen aus Bauchspeicheldrüsen von Schweinen. Auch Betazellen aus Stamm- und Vorläuferzellen anderer Organe, etwa der Leber, dem Darm- oder Speicheldrüsenepithel, könnten künftig verwendet werden.

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