Ärzte Zeitung, 26.06.2007

Mini-Op, Vitamin-Augentropfen und UVA glätten gewölbte Kornea

Therapie-Option bei Keratokonus: Vernetzung der Kollagenfasern in der Hornhaut

NÜRNBERG (eim). Für Patienten mit einer krankhaften Vorwölbung der Kornea gibt es eine Alternative zu Brillen oder Linsen: Zuerst wird eine dünne Hornhautschicht abgetragen, dann wird das Auge mit Vitamin-B2-Tropfen behandelt und anschließend mit UV-Licht bestrahlt. Dadurch stabilisieren sich bei fast allen Patienten die Veränderungen, oder gehen sogar zurück.

Eine Patientin erhält Riboflavin-Augentropfen, nachdem die oberste Corneaschicht abgetragen wurde. Dann wird das Auge mit UVA-Licht bestrahlt. Foto: Michael Timm

Meist wird ein angeborener Keratokonus erst bei jungen Erwachsenen sichtbar. Die Diagnose wird oft spät gestellt, weil die Veränderungen bei Routine-Untersuchungen an den Augen schwer zu erkennen sind. Ohne Behandlung kommt es zur Sehverschlechterung durch Brechungsanomalien. Als Gegenmaßnahme wurden bisher etwa Brillen oder harte Kontaktlinsen verordnet. Manche Patienten mussten gar zwei Linsen übereinander tragen. Trotzdem war bei manchen eine Transplantation unumgänglich.

Das Sehvermögen kann sogar wieder verbessert werden

Zu der kombinierten Behandlung gibt es jetzt Fünfjahres-Ergebnisse, berichtet Dr. Thomas Will aus Fürth. Die Methode sei einzigartig, weil sie nicht nur das Fortschreiten des Keratokonus stoppt, sondern sogar das Sehvermögen wieder verbessert. Bleibende unerwünschte Wirkungen wurden bisher nicht beobachtet, so Will auf einem Kongress in Nürnberg.

Der Augenchirurg nimmt die Therapie unter sterilen Bedingungen im Augen-OP vor. Er entfernt den Patienten in Lokalanästhesie mit einem Präzisionsinstrument einen hauchdünnen Teil der obersten Hornhautschicht. Danach tropft er eine Vitamin-B2-haltige Lösung auf. Anschließend wird etwa 30 Minuten mit UVA-Licht in einer Wellenlänge von 370 Nanometern bestrahlt. Etwa ein bis zwei Tage nach dem ambulanten Eingriff hat sich die oberste Hornhautschicht neu gebildet, und der Patient kann wieder normal sehen.

Durch das Zusammenwirken von in Vitamin-B2 enthaltenem Riboflavin und UV-Strahlen vernetzen sich in photochemischen Reaktionen die kollagenen Fasern in der obersten Hornhautschicht, so der Kongresspräsident Dr. Armin Scharrer. Die Hornhaut festige sich im weiteren Verlauf, ohne an Transparenz zu verlieren.

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