Ärzte Zeitung online, 09.10.2008

Neuer Busen zum Abitur - solche Wünsche sind keine Ausnahme mehr

HEIDELBERG (dpa). Schönheitsoperationen wie Brustvergrößerungen, Lippen- oder Nasenkorrekturen stehen auch bei Jugendlichen immer häufiger auf den Wunschzetteln zum Geburtstag oder zum Abitur.

"Der Schönheitskult ist ein Massenphänomen", sagte Professor Volker Ewerbeck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie (DGPW). "Der Wunsch nach einem neuen Busen zum Abitur ist inzwischen keine Ausnahme mehr."

Nach Angaben der Gesellschaft hat sich die Zahl der Schönheits-OPs zwischen 1990 und 2002 von 109 000 auf 660 000 pro Jahr versechsfacht. Jeder vierte Patientin ist zwischen 15 und 25 Jahre alt.

Kosmetische Eingriffe bei Jugendlichen müssten gesetzlich geregelt werden, sagte Ewerbeck der dpa. "Die Zustimmung der Eltern allein sollte nicht ausreichen, wenn es um kosmetische Eingriffe geht." Zumindest eine zweite Gutachtermeinung sollte in diesen Fällen eingeholt werden, meinte der Direktor der Abteilung I der Orthopädischen Universitätsklinik in Heidelberg.

Einige "schwarze Schafe" der Branche griffen vielleicht allzu schnell zum Skalpell, wenn es darum ginge, Jugendlichen zum Beispiel eine schönere Nase zu gestalten. Manche Eltern stimmten "guten Glaubens, aber ohne Kenntnisse der Risiken" zu.

Hinter dem Wunsch nach einer Schönheits-Op könne eine gestörte Selbstwahrnehmung stehen. Das Phänomen sei in der Pubertät aber normal. Heute träume jedes fünfte Kind zwischen 9 und 14 Jahren laut einer Studie von einer Schönheitsoperation. "Da wird es kritisch", warnte Ewerbeck.

Die Jugendlichen müssten behutsam, aber zielstrebig geführt werden. "Die plastische Chirurgie greift da ein, wo das individuelle Aussehen entweder zu einem psychischen oder körperlichen Krankheitsfall wird", erklärte Ewerbeck.

www.dgpw2008.de

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