Ärzte Zeitung, 28.05.2009

Neuromuskuläres Monitoring wird zu selten gemacht

Nur jeder dritte Narkosearzt nimmt bei Verwendung von Muskelrelaxanzien grundsätzlich ein Monitoring vor

LEIPZIG (grue). Die meisten Kliniken in Deutschland bieten zwar ein neuromuskuläres Monitoring während einer Narkose an, aber es wird nicht routinemäßig angewandt. Dabei sollte eine solche intra- und postoperative Überwachung bei Gabe von Muskelrelaxanzien selbstverständlich sein.

Komplikationen im Aufwachraum sind nach Angaben von Privatdozent Manfred Blobner aus München oft auf einen Relaxanzienüberhang mit neuromuskulären Restblockaden zurückzuführen. Eine solche postoperative Restcurarisierung lässt sich durch neuromuskuläres Monitoring vermeiden. Myografen erfassen das Ausmaß der Muskelerschlaffung, die je nach Patient unterschiedlich lange dauert. Wie Blobner bei einer von Essex Pharma unterstützten Veranstaltung in Leipzig berichtete, setzen einer Befragung von fast 8000 Narkoseärzten zufolge nur 37 Prozent bei Verwendung von Muskelrelaxanzien grundsätzlich ein Monitoring ein - obwohl eine Restblockade ohne technische Unterstützung nur schwer zu erkennen ist.

Blobner hat nun einen Muskelfunktionstest entwickelt, mit dem sich neuromuskuläre Restschwächen wohl zuverlässig abschätzen lassen. Danach ist das Blockade-Risiko gering, wenn der Patient nach Ende der Narkose für jeweils fünf Sekunden Arm und Kopf heben und problemlos etwas Wasser schlucken kann. Die Wertigkeit des Tests müsse weiter untersucht werden, so Blobner.

Ein Monitoring oder zumindest ein Muskelfunktionstest sei besonders dann erforderlich, wenn auf eine medikamentöse Aufhebung der Muskellähmung verzichtet werde. Eine regelmäßige Reversierung wird der Umfrage zufolge derzeit nur von sechs Prozent der Narkoseärzte vorgenommen. Mit dem besonders schnell wirkenden Sugammadex (Bridion®) gibt es jetzt eine Alternative zur herkömmlichen Antagonisierung mit Cholinesterasehemmern. Der neue Wirkstoff holt Patienten in höchstens drei Minuten aus jeder Blockadetiefe zurück und kann bei Erwachsenen sowie bei Kindern ab zwei Jahren angewendet werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »