Ärzte Zeitung, 04.05.2004

Beschneidungen an Mädchen auch in Deutschland

BONN (dpa). Auch in Deutschland lebenden afrikanischen Mädchen drohen nach Darstellungen von Organisationen und Initiativen wie Terre des Femmes verstümmelnde Genital-Beschneidungen.

Schätzungsweise 6000 in Deutschland lebende Mädchen seien derzeit von diesem grausamen Brauch bedroht, warnt die Vorsitzende des Vereins Intact, Christa Müller in Bonn. Sie appelliert vor allem an Gynäkologen, Hebammen, Kinderärzte, Erzieher und Lehrer, nicht die Augen vor dem Thema und den für die Opfer damit verbundenen körperlichen und psychischen Leiden zu verschließen.

In Deutschland werden solche Eingriffe strafrechtlich verfolgt

Es gebe Hinweise, daß auch in Deutschland Beschneidungen "im Geheimen" vorgenommen würden, sagt Müller. Der Nachweis sei schwierig. Dem stünden uneinsichtige Familien und auch rechtliche Schranken beim Kindschaftsrecht entgegen. In Deutschland könnten solche Eingriffe zwar als Körperverletzung oder Kindesmißhandlung strafrechtlich verfolgt werden, bislang ist laut Müller allerdings noch kein Fall zur Anklage oder vor Gericht gekommen.

Nach Darstellung der Frauenorganisation Terre des Femmes ist es eine Tatsache, daß in Einwanderungsländern wie Deutschland Beschneidungen praktiziert werden. Weltweit werden nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation täglich mehr als 6000 Mädchen "an ihren Genitalien verstümmelt". Gegenwärtig seien mehr als 150 Millionen Mädchen und Frauen betroffen, die meisten leben in Afrika. Dort wird der Brauch in 30 Ländern praktiziert.

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Gynäkologie (5494)

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