Ärzte Zeitung, 20.09.2004

Konsequente Therapie bei vaginalen Infekten beugt Frühgeburten vor

Suche nach asymptomatischen Infekten nötig / Studie mit mehr als 4000 Schwangeren

WIEN (ikr). Die Frühgeburtenrate läßt sich nahezu halbieren, wenn bei Schwangeren zu Beginn des zweiten Trimenons nach asymptomatischen vaginalen Infektionen gesucht und gegebenenfalls behandelt wird. Das hat jetzt eine kontrollierte Studie mit mehr als 4000 Frauen ergeben.

Bei Schwangeren ist es sinnvoll, zu Beginn des zweiten Trimenons nach asymptomatischen vaginalen Infektionen zu suchen. Foto: Klaro

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Herbert Kiss von der Universitätsklinik in Wien hat bei 4155 Schwangeren, die zwischen der 15. und 19. Schwangerschaftwoche (SSW) zur routinemäßigen Schwangerenvorsorgeuntersuchung gekommen waren, einen Vaginalabstrich gemacht, um nach asymptomatischen Infektionen zu suchen (BMJ 329, 2004, 371).

2058 von diesen Frauen wurden einer Interventionsgruppe zugeteilt, das heißt das Untersuchungsergebnis wurde dem jeweiligen Frauenarzt mitgeteilt und die Frau je nach Befund behandelt.

Bei bakterieller Vaginose etwa erhielten die betroffenen Frauen zunächst sechs Tage lang das Antibiotikum Clindamycin als Vaginal-Creme. Bei weiter anhaltender Infektion oder Rezidiven wurde zweimal täglich für sieben Tage mit 300 mg der gleichen Substanz oral behandelt.

Die übrigen 2097 Frauen gehörten zur Kontrollgruppe. Die Untersuchungsergebnisse von diesen Frauen wurden den Frauenärzten nicht weitergereicht. Beim nächsten Vorsorgetermin zwischen der 24. und 27. SSW wurde erneut ein Vaginalabstrich gemacht und bei Bedarf behandelt.

In der Interventionsgruppe hatten 61 Frauen (drei Prozent) eine Frühgeburt, das heißt sie brachten ihr Kind vor der 37. SSW zur Welt. In der Kontrollgruppe gab es hingegen 112 Frühgeburten (5,3 Prozent). Dieser Unterschied ist nach Angaben der österreichischen Gynäkologen signifikant. Ähnlich stark wurde durch die Interventionen auch die Rate der Frühgeburten mit einem Geburtsgewicht unter 2500 Gramm gesenkt (1,7 versus 3,5 Prozent).

Als effektiv zur Senkung der Frühgeburterate hat sich auch das von Professor Erich Saling aus Berlin initiierte pH-Wert-Screening bei Schwangeren erwiesen (wir berichteten).

Durch regelmäßige pH-Wert-Messungen am Scheideneingang durch die Schwangere selbst lassen sich aufsteigende Infektionen bereits in Vor- oder Anfangsstadien erkennen, und es kann früh behandelt werden. Bei Frauen, die an einem solchen Programm teilnahmen, war die Frühgeburtenrate um etwa ein Drittel geringer als bei Frauen, die nicht an dem Programm teilnahmen.

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