Ärzte Zeitung, 27.09.2004

Instabile Blase kann mehr belasten als Diabetes

Jeder dritte Inkontinente traut sich nicht zum Arzt / Ziel der Therapie ist vor allem eine verbesserte Lebensqualität

WIESBADEN (ts). Die Therapie von Patienten mit instabiler Blase hat sich gewandelt: "Ziel der Therapie ist heute nicht mehr die verbesserte Urodynamik. Ziel ist die bessere Lebensqualität", sagte Professor Klaus-Peter Jünemann beim Urologen-Kongreß in Wiesbaden.

Was sind die Gründe für den Wandel? Die instabile Blase - Symptome sind vor allen überfallartig auftretender Harndrang, häufige Miktionen und Urinverlust - ist zwar keine tödliche Erkrankung, sie mindert aber ganz erheblich die Lebensqualität. Die Patienten wagen sich zum Beispiel nicht mehr ins Theater und besuchen keine Freunde.

"Die instabile Blase kann für Patienten mindestens so belastend sein wie Typ-2-Diabetes", sagte der Kieler Urologe. Wie stark die Patienten sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen, korreliert nach Aussage Jünemanns nicht sehr stark mit den Symptomen und den urodynamischen Meßwerten. Ein Patient, der allein imperativen Harndrang hat, kann also mehr leiden als ein Patient, der zudem noch häufig in die Hose macht.

Was bedeutet das für die Therapie? Eine Pharmakotherapie, etwa mit Tolterodin (Detrusitol® retard, einmal vier mg täglich) kann schon bei jenen Patienten indiziert sein, die als einziges Symptom plötzlich auftretenden Harndrang haben. Neue Studien belegten, daß mit dieser Medikation die Lebensqualität der Patienten klar gebessert werde, so der Urologe auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Pfizer.

Allerdings sei noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Jünemann: "Jeder dritte Betroffene traut sich nicht zum Arzt, nur jeder fünfte bekommt eine Arznei." Die Gründe sind bekannt: Scham und Unwissenheit. Viele Patienten haben zum Beispiel die Einstellung, das alles komme halt so mit dem Alter, sei also völlig normal.

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