Ärzte Zeitung, 28.09.2004

Interstitielle Zystitis - neuer Therapieansatz mit Chondroitin

Von steriler Entzündung sind Frauen zehnmal häufiger als Männer betroffen / Antihistaminika und Antidepressiva können Symptome bessern

WIESBADEN (mar). Patienten mit interstitieller Zystitis (IZ) haben einen hohen Leidensdruck. Da die Pathogenese der Erkrankung noch weitgehend unklar ist, gibt es bislang keine Standardtherapien. Ein Therapieansatz ist, die offenbar gestörte Schleimhautbarriere der Blasenwand wiederherzustellen.

Die IZ ist eine sterile chronische Entzündung aller Schichten der Harnblasenwand mit klinisch progredientem Verlauf. Durch zunehmende Fibrosierung kommt es im Spätstadium zu einer Schrumpfblase mit verminderter Blasenkapazität. Die typischen Symptome - permanenter Harndrang, Pollakisurie und Nykturie verbunden mit urogenitalen Dauerschmerzen - schränken die Lebensqualität der Patienten stark ein. Frauen sind zehnmal häufiger betroffen als Männer.

In Biopsien von Patienten findet man einen gestörten Aufbau der Blasenwand und eine gestörte Schleimhautbarriere. Die Folge ist eine erhöhte Permeabilität für Noxen. Da die Erkrankung noch relativ unbekannt ist, vergehen im Durchschnitt acht Jahre, bis die Diagnose IZ gestellt wird. Verschiedene Therapieansätze werden verfolgt, etwa die hyperbare Sauerstoff-Therapie (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Außerdem versucht man, die allergischen Komponenten der Erkrankung mit Antihistaminika, zum Beispiel Hydroxyzin oder Cimetidin, zu unterdrücken, wie Dr. Rudolf Stratmeyer von der Abteilung für Urologie an der Klinik Links vom Rhein in Köln berichtet hat. Die nervale Hyperaktivität soll mit Antidepressiva gehemmt werden, sagte Stratmeyer beim Urologen-Kongreß in Wiesbaden.

Hier konnten mit Amitriptylin in einer kleinen Studie Schmerzen und Harndrang signifikant vermindert werden. Miktionsfrequenz und Blasenkapazität wurden jedoch kaum beeinflußt, so Stratmeyer bei einem vom Unternehmen Pohl-Boskamp unterstützten Symposium.

Ein weiterer Behandlungsansatz ist, die Schleimhautbarriere mit einer intravesikalen Therapie wiederherzustellen, etwa mit Hyaloronsäure, Chondroitinsulfat, Pentosanpolysulfat, Heparin oder DMSO. So konnte zum Beispiel mit Chondroitinsulfat (Uropol®-S) in einer offenen Studie die Symptomatik bei zwei Drittel der untersuchten Patienten gelindert werden, so der Urologe.

In dieser Pilotstudie haben 18 Patienten in den ersten vier Wochen einmal wöchentlich eine intravesikale Chondroitinsulfat-Instillation erhalten, danach wurden sie für insgesamt ein Jahr einmal monatlich behandelt. In einer anderen Studie bei 20 IC-Patienten sei die Symptomatik ebenfalls deutlich gelindert worden.

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