Ärzte Zeitung, 23.11.2004

Inkontinenztherapie bald mit Oxybutynin-Pflaster

Pflaster gibt Anticholinergikum gleichmäßig ab / Inkontinenz-Episoden und Miktionsfrequenz signifikant reduziert

HAMBURG (hsr). Für Patienten mit Drang-Inkontinenz steht Oxybutynin bald als transdermales System (TDS) zur Verfügung. Das Pflaster reduziert die Rate der Inkontinenz-Episoden sowie die Miktionsfrequenz signifikant, erhöht das Miktionsvolumen und ist außerdem gut verträglich. Mundtrockenheit etwa - als unerwünschte Wirkung bekannt bei oraler Applikation der Substanz -  ist mit der neuen Darreichungsform nicht häufiger als mit Placebo.

Das von der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA bereits zugelassene Produkt kommt voraussichtlich im April 2005 in Deutschland auf den Markt. Das berichtete Professor Ingo Füsgen aus Velbert beim 16. Kongreß der Deutschen Kontinenz Gesellschaft in Hamburg.

Das Matrix-Pflaster wird zweimal wöchentlich auf Hüfte, Gesäß oder Bauch geklebt. Es gibt das Anticholinergikum gleichmäßig über vier Tage ab. Damit sind weniger als die Hälfte der täglichen oralen Oxybutynin-Dosierungen bis zum Erreichen therapeutischer Konzentrationen notwendig, berichtete Füsgen bei einer Veranstaltung von UCB. Die transdermale Applikation von Oxybutynin gewährleiste darüber hinaus einen minimalen gastrointestinalen und hepatischen First-Pass-Metabolismus in den aktiven Metaboliten N-Desethyloxybutynin, wodurch die Mundtrockenheit reduziert werde.

Füsgen präsentierte Ergebnisse einer Studie mit 520 an Drang- oder Mischinkontinenz erkrankten Patienten. Sie erhielten über zwölf Wochen zweimal wöchentlich ein 36-mg-Pflaster, das täglich 3,9 mg des Wirkstoffs abgibt, oder Placebo. Mit dieser Dosierung sank die mittlere Miktionsfrequenz im Vergleich zum Ausgangswert um 18 Prozent, mit Placebo um neun Prozent. Das Miktionsvolumen stieg um 15 Prozent, mit Placebo um drei Prozent. Entsprechend verbesserte sich die Lebensqualität.

Mundtrockenheit als häufigstes unerwünschtes Ereignis trat mit Oxybutynin-TDS bei knapp zehn Prozent, mit Placebo bei mehr als acht Prozent der Patienten auf. Hautrötungen und Juckreiz durch das Pflaster waren im allgemeinen nur mild bis mäßig ausgeprägt.

In einer anderen Untersuchung wurde geprüft, ob auch ältere Menschen vom Pflaster profitieren. "Denn die Haut im Alter verändert sich, die Subkutis wird dicker, die Epidermis dünner", so Füsgen. Doch bei Älteren scheint das Pflaster sogar noch ein wenig besser als bei Jüngeren zu wirken: Bei unter 65jährigen nahmen die wöchentlichen Inkontinenzepisoden im Vergleich zum Ausgangswert nämlich um 21 und bei über 65jährigen um 23 ab. Ein weiterer Vorteil des Pflasters ist für Füsgen auch, daß die Substanz nicht mehr dreimal täglich eingenommen werden muß.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »