Ärzte Zeitung, 07.12.2004

Magnetstimulation verringert Drang- und Streßinkontinenz

Etwa 70 Prozent der Patienten sprechen auf die Therapie an / Zahl der Toilettengänge pro Tag und der Bedarf an Vorlagen halbieren sich

NEU-ISENBURG (ikr). Egal ob ein Patient eine Streßinkontinenz oder eine Dranginkontinenz oder gar eine Mischung aus beidem hat - mit einer neuartigen Magnetstimulationstherapie verringern sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen meist wesentlich, und zwar schmerzfrei und bequem.

Eine Patientin bei der Magnetstimulationstherapie: In den Stuhl ist ein spezieller Therapiekopf integriert. Foto: Tina Seidt

Und so funktioniert die ExMi (Extracorporal Magnetic Innervation)-Methode, die in den USA entwickelt wurde und dort seit 1998 angewandt wird: Die Patienten sitzen voll bekleidet auf einem bequemen Stuhl, in den ein speziell konstruierter Therapiekopf eingebaut ist.

Dieser erzeugt magnetische Impulse, wodurch Nervenimpulse ausgelöst werden, die zur Kontraktion von Becken- und Sphinktermuskeln führen. "Innerhalb kurzer Zeit werden auf diese Weise viele Muskelkontraktionen ausgelöst", sagte Dr. Michael Jordan, niedergelassener Urologe aus München, zur "Ärzte Zeitung".

Der Urologe hat bereits mehrere hundert Patienten mit ExMi behandelt. Die meisten benötigen 20 Sitzungen à 20 Minuten, bis sich die Beschwerden deutlich verringert haben, das heißt, bis sich etwa die Zahl der Toilettengänge pro Tag oder der Bedarf an Vorlagen um die Hälfte reduziert. Es wird zwei- bis dreimal pro Woche behandelt. Etwa 70 Prozent der Patienten sprechen nach Angaben von Jordan darauf an.

Patienten mit Streßinkontinenz, die einen hohen Leidensdruck haben, verordnet Jordan zusätzlich Duloxetin, bis die Muskelstimulation richtig wirkt. Nach zehn Sitzungen werde das Mittel abgesetzt, um zu sehen, ob die ExMi-Therapie wirkt. Bei Drang- oder Mischinkontinenz könne bei Bedarf ebenfalls zusätzlich medikamentös behandelt werden. Jordan empfiehlt, alle drei bis vier Monate erneut zwei bis drei ExMi-Sitzungen anzubieten, um die Muskelkraft langfristig zu erhalten.

Gute Erfahrungen mit der Methode bei Patienten mit Harninkontinenz hat auch die Aachener Urologin Dr. Ruth Kirschner-Hermanns gemacht. Sie verwendet das Verfahren bei Patienten mit Streßinkontinenz häufig in Kombination mit Beckenbodentraining. "Die Patienten erlernen durch die Magnetstimulation, ihren Beckenboden zu erspüren und sind dadurch eher in der Lage, das Beckenbodentraining richtig zu machen", so die Urologin.

Die Behandlung ist als IGeL abrechenbar nach GOÄ A 838; 32,06 Euro (einfacher Satz). Der Therapiestuhl kostet etwa 25 700 Euro.

Weitere Informationen gibt es per E-Mail: dr.jordan@drjordan.de

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