Ärzte Zeitung, 24.01.2005

Bei überaktiver Blase kann frühe Therapie vor Inkontinenz schützen

Toilettentraining, eine Verringerung der Trinkmenge und Anticholinergika helfen

BERLIN (gvg). Etwa jeder sechste bis siebte Mensch über 40 Jahre hat eine überaktive Blase. Zur Prophylaxe einer manifesten Dranginkontinenz empfehlen Experten bei diesen Patienten einen möglichst frühen Therapiebeginn.

Bei der überaktiven Blase handelt es sich um einen Symptomkomplex, der gekennzeichnet ist durch plötzlichen, kaum zu unterdrückenden Harndrang sowie durch eine erhöhte Miktionsfrequenz sowohl während des Tages als auch nachts.

    Frauen entwickeln häufiger eine Dranginkontinenz als Männer.
   

"Die Prävalenz liegt bei über 40jährigen bei 16 Prozent und nimmt mit dem Alter weiter zu", sagte Dr. Daniela Marschall-Kehrel, niedergelassene Urologin in Oberursel. Anders als vielfach angenommen sei das Problem bei beiden Geschlechtern gleich häufig. Lediglich von der Dranginkontinenz im Zusammenhang mit einer überaktiven Blase seien Frauen häufiger betroffen als Männer.

Um bei Patienten mit überaktiver Blase (zehn bis 20 Toilettengänge am Tag) den Übergang in eine manifeste Inkontinenz zu verhindern, empfiehlt Marschall-Kehrel eine frühzeitige Diagnose und Behandlung. "Erhalten die Patienten rechtzeitig eine adäquate Therapie, kann in aller Regel durch eine nur vorübergehende Behandlung eine Stabilisierung der Blasenfunktion erzielt werden", so die Urologin auf einer Veranstaltung von Bayer Vital in Berlin.

Methode der Wahl seien dabei zunächst nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Toilettentraining und eine Verringerung der (vor allem abendlichen) Trinkmenge. Helfe das nichts, sollten früh anticholinerge Wirkstoffe angewandt werden, die die Kontraktion der glatten Blasenmuskulatur hemmen. Als neue, gut verträgliche Alternative zu den bereits etablierten Präparaten steht seit kurzem die von dem Unternehmen vertriebene Substanz Darifenacin (Emselex®) zur Verfügung. "Durch ihre hohe Selektivität für die Acetylcholinrezeptoren der glatten Muskulatur treten zentralnervöse und kardiale Nebenwirkungen seltener auf", sagte Privatdozent Theodor Klotz vom Klinikum Weiden.

STICHWORT

Überaktive Blase

Die überaktive Blase kann neurogene, aber auch nicht-neurogene Ursachen haben. Inkomplette oder komplette Läsionen der Blasenbahn können zu einer Überaktivität des Detrusormuskels führen, die so stark ausgeprägt ist, daß die Blase den Urin zurück in die Harnleiter drückt. In diesem Fall droht innerhalb weniger Jahre eine schwere Nierenschädigung. Einzige Therapiemöglichkeit ist oft die intermittierende Katheterbehandlung durch die Patienten selbst, für die die Blase mit hohen Dosierungen von anticholinergen Medikamenten möglichst komplett lahmgelegt wird. Auch Obstruktionen unterhalb der Blase, etwa bei einer Prostatahyperplasie sowie eine fehlgeschlagene Streßinkontinenz-Op mit Blasenhalsinsuffizienz können zu einer überaktiven Blase führen. Bei den meisten Patienten bleibt die Ursache jedoch unklar (idiopathische Detrusorhyperaktivität). (gvg)

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