Ärzte Zeitung, 10.05.2005

Spürbarer Duloxetin-Effekt oft schon nach wenigen Tagen

Therapie bei Belastungsinkontinenz / Rascher Erfolg unterstützt die Compliance / Ideal ist die Kombination mit Beckenbodentraining

MAINZ (hbr). Die Therapie mit Duloxetin senkt bei Frauen mit Belastungsinkontinenz die Zahl der ungewollten Harnabgänge und bessert ihre Lebensqualität. Ob die Therapie im Einzelfall hilft, läßt sich schon nach zwei Wochen erkennen.

    Bessere Lebensqualität, gerade bei zuvor starker Inkontinenz.
   

Die Reduktion der Inkontinenz-Episoden belegen Studiendaten von etwa 2000 Patientinnen: Die Therapie mit zweimal täglich 40 mg Duloxetin (Yentreve®) verringerte die Zahl der unfreiwilligen Harnabgänge innerhalb von vier Wochen signifikant um 54 Prozent. Das berichtete Dr. Gert Naumann von der Mainzer Universitätsfrauenklinik bei der gemeinsamen Urogynäkologie-Tagung mit der Schweriner Frauenklinik in Mainz.

Der Serotonin-Noradrenalin-Wieder aufnahmehemmer Duloxetin erhöht den Tonus des äußeren Harnröhren-Schließmuskels. Die Kombination des Wirkstoffs mit einem Beckenbodentraining verbessere das Ergebnis weiter, so Naumann: In einer Studie hätten sich so 76 Prozent weniger Inkontinenz-Ereignisse ergeben (wir berichteten).

Ob das Präparat im Einzelfall hilft, ist rasch erkennbar. Patientinnen, bei denen die Therapie die Ereignisrate mindestens halbiert, spüren meist innerhalb von 15 Tagen eine Besserung, 75 Prozent sogar schon in der ersten Woche.

Der schnelle Erfolg unterstützt die Compliance. Erwartungsgemäß bessert der Rückgang der Inkontinenz-Episoden auch die Lebensqualität signifikant, sagte Naumann bei der Veranstaltung, zu der Boehringer Ingelheim und Lilly eingeladen hatten. Das galt besonders für Frauen mit zuvor starker Inkontinenz, also mit mindestens 14 Ereignissen pro Woche.

Die Substanz sei nebenwirkungsarm und sicher, so Naumann. In der empfohlenen Dosis von zweimal 40 mg täglich trat bei 23 Prozent der Patientinnen einer Studie eine leichte bis mittelgradige Übelkeit auf; in einer neueren Studie mit 617 Teilnehmerinnen war das bei 16 Prozent der Fall. Das Problem gibt sich aber meist rasch wieder: Nach einem Monat ist die Übelkeit bei über 80 Prozent der Frauen verschwunden.

Naumann empfiehlt eine einschleichende Therapie, die zum Beispiel mit zweimal 20 mg startet. Denn ein Vergleich der Therapie mit täglich zweimal 20 mg, einmal 40mg, zweimal 40 mg und Placebo hat ergeben, daß auch eine Menge von zweimal 20 mg signifikant wirkt - bei gleichzeitiger Halbierung der unerwünschten Effekte. Eine Therapiekontrolle nach zwei bis vier Wochen läßt erkennen, ob die Dosis genügt.

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