Ärzte Zeitung, 13.12.2005

HPV-Impfung von Mädchen vor der Pubertät wird erwogen

Die meisten Infekte gibt es bei 18- bis 30jährigen / Schutz vor Zervix-Karzinomen

RUST (ars). Zervix-Karzinome werden durch Humane Papilloma-Viren (HPV) verursacht. Impfstoffe gegen die beiden Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18 haben sich in klinischen Studien als wirksam und verträglich erwiesen. Für einen der Impfstoffe soll in wenigen Monaten die Zulassung in Europa beantragt werden. Über die optimale Impfstrategie damit wird zur Zeit diskutiert.

Humane Papilloma-Viren (HPV) im Elektronenmikroskop. HPV verursachen Zervix-Karzinome und Warzen. Foto: Iftner

Die tetravalente Vakzine schützt außer gegen die Hochrisikotypen HPV 16 und 18 auch gegen HPV 6 und 11, die Genitalwarzen verursachen. In welchem Alter am besten gegen HPV geimpft werden sollte, ist noch nicht entschieden, sagte Privatdozent Peter Hillemanns von der Universität Jena.

Denn noch ist nicht geklärt, wie lange der Impfschutz anhält und wie hoch Antikörpertiter für einen Schutz mindestens sein müßten, sagte der Gynäkologe auf einem Symposium von Sanofi-Pasteur MSD in Rust bei Freiburg.

HPV-Impfungen in verschiedenen Altersgruppen werden erwogen. Der Gipfel der HPV-Prävalenz liegt zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr. Man könnte Mädchen im Alter von zehn bis 13 Jahre impfen, also vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Möglich seien aber auch weiter gefaßte Altergrenzen: etwa zehn bis 20 oder sogar zehn bis 25 Jahre.

Mit der Schutzimpfung läßt sich die Ausbreitung der Viren in der Bevölkerung zurückdrängen. Das Ausmaß hängt davon ab, wieviele Mädchen und Frauen sich impfen lassen und ob auch Jungen und Männer für die Impfung zu gewinnen wären. Daß Eltern einer Impfung gegen eine Infektion zustimmen sollen, die für ihren Sohn kaum klinische Relevanz hat, sei sicher schwer zu vermitteln, so der Gynäkologe.

Es gibt jedoch ein gutes Argument, um Jungen und Männer doch zur Impfung zu bewegen, sagte Hillemanns. Da die Vakzine auch Schutz gegen HPV 6 und 11 bietet, würden damit Jungen und Männer vor Genitalwarzen geschützt.

Frauen müssen künftig trotz Impfschutz unbedingt weiter regelmäßig Pap-Tests auf Vorstufen des Zervixkarzinoms machen lassen, betonte Hillemanns. Solche Tests bleiben auch für Geimpfte notwendig. 30 Prozent der Zervix-Karzinome werden nämlich durch HPV-Typen ausgelöst, die in den Impfstoffen nicht enthalten sind.

Der Gynäkologe warnte davor, daß sich geimpfte Frauen in falscher Sicherheit wiegen könnten und die Krebsvorsorge vernachlässigten. Vor der Impfung müßte daher unbedingt darüber aufgeklärt werden.

HPV-Impfungen hätten ein sehr günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis, sagte Hillemanns weiter. Nach seinen Angaben erkranken in Deutschland jedes Jahr 7000 Frauen an Zervix-Karzinomen, 150 000 Frauen bekommen therapiepflichtige Präkanzerosen, und bei fast einer Million gibt es unklare zytologische Befunde.

Viele der Erkrankungen und unsicheren Befunde ließen sich künftig durch Impfungen vermeiden. Damit würden auch die Kosten für die Abklärung der Befunde und für die Behandlung von Patientinnen mit Zervix-Karzinom sinken.

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