Ärzte Zeitung, 04.09.2006

Mammographien machen das Abtasten der Brust nicht überflüssig

Bei dichtem Brustgewebe sind Röntgenuntersuchungen oft unergiebig

DRESDEN (ikr). Macht das Mammographie-Screening für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, das Ende nächstens Jahres flächendeckend in Deutschland eingeführt sein wird, Tastuntersuchungen der Brust bei diesen Frauen nicht überflüssig? Ganz und gar nicht, betont die Kieler Radiologie Professor Ingrid Schreer. Denn die Mammographie hat Schwächen. Und im Screening-Intervall können schnellwachsende Tumoren entstehen.

Tastuntersuchungen der Brust durch Kollegen und durch die Frauen selbst sind auch bei regelmäßigen Mammographien unverzichtbar. Foto: PhotoDisc

Selbst wenn sich Frauen beim Mammographie-Screening regelmäßig röntgen lassen, dürfe man sich nicht aus schließlich auf diese Untersuchungsmethode zur Früherkennung von Brustkrebs verlassen. Das hat Schreer bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Dresden betont.

Das Problem: Für das Screening werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zu einer Mammographie eingeladen. Damit lassen sich zwar die meisten malignen Tumoren früher als ohne Röntgen erkennen. Es gibt jedoch auch extrem schnell wachsende Tumoren, die während des Screening-Intervalls auftreten. Solche Tumoren können noch Angaben von Schreer durch regelmäßigen Tastuntersuchungen durch Kollegen und auch monatliche Selbstuntersuchungen der Frauen aufgespürt werden.

Auch bei Patientinnen mit sehr dichtem Brustgewebe ist die Röntgenuntersuchung oft unergiebig. Hier kann das regelmäßige Abtasten der Brust die Diagnose eines Malignoms beschleunigen. Bei Patientinnen mit dichtem Brustgewebe sowie generell zur Abklärung unklarer Mammographie-Befunde sei auch die Sonographie eine wichtige ergänzende Untersuchungsmethode, sagte Schreer zur "Ärzte Zeitung".

Für unbefriedigend hält die Radiologin den Zustand, daß das Mammographie-Sreening in Deutschland lediglich für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eingeführt werde. Dadurch werde nur etwa 45 Prozent aller Frauen eine kostenlose Krebsfrüherkennung nach hohem Qualitätsstandard gewährt, das heißt zum Beispiel mit Doppelbefundung und spezialisierten Untersuchern.

Außerdem sei aufgrund der Erfahrungen aus anderen Ländern davon auszugehen, daß höchstens 70 Prozent aller eingeladener Frauen regelmäßig zur Mammographie kommen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »