Ärzte Zeitung, 15.05.2006

Viel Kalzium bei Schwangeren mindert Folgen einer Präeklampsie

Daten einer Studie mit über 8000 Erstgebärenden vorgestellt / Weniger Frühgeburten

GENF (cw). Eine ausreichende Kalziumversorgung stärkt bei Schwangeren nicht nur die Knochen. Darüber hinaus verringert sie das Risiko für Komplikationen, die als Folge einer Präeklampsie auftreten, wie Frühgeburten sowie Eklampsien bei den Schwangeren. Das hat eine Studie mit mehr als 8000 erstgebärenden Frauen ergeben.

In der Schwangerschaft ist eine gute Versorgung mit Mineralstoffen wie Kalzium wichtig. Foto: ABDA

An der von der WHO initiierten Studie nahmen insgesamt 8300 gesunde, erstgebärende Frauen aus Argentinien, Ägypten, Indien, Peru, Südafrika und Vietnam teil (Am J Obstet Gynecol 194, 2006, 639). Sie alle befanden sich zu Studienbeginn vor der 20. Schwangerschaftswoche, einem Zeitpunkt, wo das Risiko für eine Präeklampsie steigt. Sie nahmen mit der Nahrung weniger als 600 mg Kalzium pro Tag zu sich.

Die Hälfte der Frauen erhielt bis zum Ende der Schwangerschaft täglich 1500 mg Kalzium pro Tag in Form von Tabletten, die anderen nahmen ein Scheinpräparat ein. Ein primärer Endpunkt der Studie war die Inzidenz der Präeklampsie und/oder Eklampsie. Ein weiterer primärer Endpunkt waren Frühgeburten, also Geburten vor der 37. SSW.

"Eine Versorgung mit Extra-Kalzium bedeutet zwar nicht, daß die Frauen seltener an Präeklampsie erkranken", so Studienleiter Dr. Jose Villar von der WHO. "Doch das Risiko für Komplikationen, die als Folge der Präeklampsie auftreten, ist deutlich reduziert." In der Kalzium-Gruppe bekamen 4,1 Prozent der Frauen und in der Placebo-Gruppe 4,5 Prozent eine Präeklampsie.

Dieser Unterschied war nicht signifikant. Jedoch bekamen signifikant weniger Frauen aus der Kalzium-Gruppe eine Eklampsie (17 versus 25 Prozent). Diese Komplikation tritt als häufige Folge der Präeklampsie meist im letzten Drittel der Schwangerschaft auf und geht bei den Patientinnen mit Krampfanfällen einher.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Bei Frauen mit zusätzlicher Kalziumversorgung kam es seltener zu Frühgeburten als in der Placebo-Gruppe (9,8 versus 10,8 Prozent). Dieser Unterschied war zwar nicht signifikant, signifikant war jedoch der Unterschied zwischen den Frauen, die eine frühe Frühgeburt (vor der 32. SSW) hatten.

Es waren 2,6 Prozent in der Kalzium-Gruppe im Vergleich zu 3,2 Prozent in der Placebo-Gruppe. Ebenso waren die Sterberaten von Mutter und Kind nach der Geburt bei der zusätzlichen Einnahme von Kalzium vermindert.

"Warum Kalzium das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft vermindert, ist bisher noch unklar", so Villar. Übrigens: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Schwangeren, täglich mindestens 1200 mg Kalzium zu sich zu nehmen.

STICHWORT

Präeklampsie

Bei etwa zehn Prozent aller Frauen erhöht sich der Blutdruck während der Schwangerschaft. Als Folge dieser Präeklampsie entstehen bei vielen Schwangeren Ödeme, vor allem in Beinen, Füßen und Händen. Viele Frauen scheiden auch vermehrt Eiweiß über den Urin aus. Im Verlauf der Schwangerschaft kommt es bei manchen der Frauen zu schwerwiegenden Komplikationen wie Eklampsie, Frühgeburt oder erhöhter Säuglingssterblichkeit. Die Ursachen der Präeklampsie sind bisher unbekannt. Daher wird bisher rein symptomatisch behandelt.

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