Ärzte Zeitung, 18.07.2006

Forscher wollen Ursache von Blasenschwäche verstehen

Forscher wollen mit bildgebenden Verfahren die Ursachen von Blasenentleerungs-Störungen besser verstehen / Studie mit elf Frauen

GÖTTINGEN (eb). Harnlassen ist ein zum Teil willkürlicher, vom Gehirn gesteuerter Prozeß. Welche Regionen des Gehirns bei dem willentlichen Harnlassen und -zurückhalten aktiv sind, hat eine Forschergruppe aus Göttingen mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) beobachtet.

Aktive Hirnregionen bei der Kontrolle des Wasserlassens: Die per fMRT erstellte Hirnschnittbilder aller elf Probandinnen wurden überlagert. Foto: ukg/Baudewig

Dr. Sandra Seseke und ihre Kollegen von der Uni Göttingen und dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie haben die Gehirnaktivität von elf gesunden Frauen bei der willkürlichen Kontrolle ihres Harndrangs untersucht ("NeuroImage" 31, 2006, 1399).

Hierzu legten sich die Frauen mit voller Harnblase in den Magnetresonanz-Tomographen und erhielten im kurzen Wechsel schriftliche Anweisungen, Harn zu lassen oder ihn zurückzuhalten. Die auffälligsten Ergebnisse waren räumlich klar umgrenzte Aktivitäten im Zentralen Höhlengrau (periaquäduktales Grau, PAG) und in der Brücke (Pons). Beide Hirnregionen liegen im Hirnstamm, einem evolutionär sehr alten Teil des Gehirns.

Die Untersuchungen an gesunden Frauen bei der Kontrolle des Wasserlassens sollen die Basis für genauere Analyse neurologisch erkrankter Personen mit Blasenschwäche liefern, so die Forscher.

Den Harn erfolgreich zu speichern und das Harnlassen zu steuern, erfordert die filigrane Zusammenarbeit von unwillkürlich und willkürlich steuerbaren Abläufen im Gehirn und Körper. Das komplexe System kann relativ leicht aus dem Gleichgewicht geraten und zu Inkontinenz oder erschwerter Blasenentleerung führen. Allein in Deutschland werde die Zahl der Personen mit Blasenschwäche auf über zehn Millionen geschätzt.

"Die genauen Kenntnisse über bewußte und unbewußte Vorgänge im Gehirn beim Harnlassen dienen uns jetzt als Grundlage für die Untersuchung von Patienten mit Blasenentleerungs-Störungen", so Seseke .

Die funktionelle Magnetresonanztomographie ist ein bildgebendes Verfahren mit hoher räumlicher Auflösung. Mit ihrer Hilfe kann die Aktivität der Zellen im Gehirn beim Denken, Fühlen oder bei körperlicher Aktivität in Aktion beobachtet werden.

Die interdisziplinäre Göttinger Forschungsgruppe "MR-Forschung in der Neurologie und Psychiatrie" untersucht mit der Methode Aufbau und die Funktionsweise des menschlichen Gehirns.

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