Ärzte Zeitung, 27.09.2006

Testosteron-Pflaster für Frauen kommt

Therapie hilft bei sexuellen Funktionsstörungen / EU-Zulassung für Behandlung nach chirurgischer Menopause

BERLIN (ner). Die Störung der Sexualfunktion empfinden viele Frauen als ebenso gravierend wie Männer mit erektiler Dysfunktion. Betroffen sind oft Frauen, denen die Eierstöcke entfernt wurden, also Frauen mit chirurgisch induzierter Menopause. Die Behandlung mit dem bereits in der EU zugelassenen, aber derzeit noch nicht erhältlichen Testosteron-Pflaster Intrinsa® kann sich dann positiv auswirken.

Eine Kollegin im Gespräch mit einer Patientin über postmenopausale Beschwerden. Foto: Klaro

Etwa 40 Prozent aller Frauen in der Postmenopause klagen über mangelndes sexuelles Verlangen, sagte Dr. Anneliese Schwenkhagen aus Hamburg beim Jahreskongreß der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin.

Kennzeichen der international als Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD) bezeichneten Störung sind ein Mangel oder das Fehlen sexueller Gedanken oder der Empfänglichkeit für sexuelle Aktivitäten. Bei den Betroffenen sei aber nur dann eine Behandlung erforderlich, wenn diese Störung zu seelischen oder zwischenmenschlichen Problemen führe, betonte die Gynäkologin.

Sexuelle Beschwerden nach beidseitiger Ovarektomie

Besonders die abrupte Hormonumstellung bei Frauen nach beidseitiger Ovarektomie führt zu sexuellen Beschwerden, die die Paarbeziehung und die Lebensqualität beeinträchtigen können. Darauf hat die Hamburger Frauenärztin bei einem vom Unternehmen Procter & Gamble unterstützten Symposium hingewiesen.

Die Störung hänge mit der plötzlichen Reduktion der Testosteron-Serumkonzentration zusammen. Mit dem Testosteron-Matrixpflaster, das zweimal wöchentlich gewechselt wird, kann den Frauen geholfen werden. Indiziert ist das Pflaster bei Frauen mit beidseitiger Ovarektomie und Hysterektomie, die eine begleitende Östrogen-Therapie erhalten.

Schwenkhagen stellte die Ergebnisse von zwei Placebo-kontrollierten Doppelblindstudien mit insgesamt fast 1100 Frauen mit HSDD zwischen 20 und 70 Jahren vor. Bei ihnen waren mindestens sechs Monate zuvor der Uterus und die Ovarien entfernt worden. Die Frauen erhielten 24 Wochen lang entweder ein Pflaster, das innerhalb von 24 Stunden 300 Mikrogramm Testosteron freisetzt, oder ein Placebo-Pflaster. Das dünne, durchsichtige, matrixartige Pflaster wurde im Bereich des unteren Abdomens unterhalb der Taille auf die Haut geklebt.

Ergebnis: Der Gesamtwert für befriedigende sexuelle Aktivitäten, ermittelt anhand von drei validierten Skalen, stieg in den Verumgruppen der beiden Studien um 51 und 74 Prozent im Vergleich zu dem jeweiligen Ausgangswert, mit Placebo um 23 und 33 Prozent - ein signifikanter Unterschied. Auch das sexuelle Verlangen stieg signifikant um 49 und 56 Prozent (Placebo: 18 bis 29 Prozent).

Verumpflaster war ähnlich verträglich wie Placebo

Unerwünschte Ereignisse waren mit dem Hormonpflaster insgesamt nicht häufiger als mit Placebo. Häufigste unerwünschte Wirkungen waren mit Verum und Placebo Hautreaktionen (etwa 30 Prozent), Infektionen der oberen Atemwege (10 bis 20 Prozent) und unerwünschter Haarwuchs (6 bis 9 Prozent).

STICHWORT

Hypoactive Sexual Desire Disorder

Unter der international als "Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD)" bezeichneten Störung versteht man einen Mangel oder das Fehlen sexueller Gedanken oder der Empfänglichkeit für sexuelle Aktivitäten. Bei den Betroffenen ist aber nur dann eine Behandlung erforderlich, wenn diese Störung zu seelischen oder zwischenmenschlichen Problemen führt. Eine HSDD kommt häufig bei Frauen mit chirurgisch induzierter Menopause vor, besonders nach beidseitiger Ovarektomie. Ein Libidoverlust kann auch bei Erkrankungen wie Depressionen oder Schlafstörungen auftreten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »