Ärzte Zeitung, 10.10.2006

Therapie lindert Pruritus bei Schwangerschafts-Cholestase

Mit Ursodeoxycholsäure konnten positive Effekte nachgewiesen werden / Auch das Risiko für Frühgeburten sank nach der Behandlung

FREIBURG (mut). Bei Frauen mit einer Schwangerschafts-Cholestase hat sich die Therapie mit Ursodeoxycholsäure bewährt. Damit läßt sich das Risiko für eine Frühgeburt senken und der Pruritus lindern. Offenbar wirkt das Medikament dadurch, daß vermehrt Progesteron-Metabolite aus Leberzellen geschleust werden.

Eine Schwangere wird per Ultraschall untersucht. Eine Cholestase kann im fortgeschrittenen Stadium auch auf dem Monitor erkannt werden. Foto: Universität Bonn

Etwa jede 500. bis 1000. Schwangere in Mitteleuropa bekommt - meist im dritten Trimenon - eine intrahepatische Schwangerschafts-Cholestase. In anderen Regionen der Erde ist der Anteil sogar noch weit höher: In Skandinavien trifft es etwa jede 50. und in Lateinamerika sogar jede siebte Schwangere.

Diese Frauen haben dann ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten und für lästigen Pruritus. Zudem kann ein milder Ikterus auftreten. Im Serum liegen erhöhte Konzentrationen von Gallensäuren vor. Typisch sind auch die erhöhten Konzentrationen von Pregnandiol-Disulfid, einem Progesteron-Metaboliten. Darauf hat Professor Hanns-Ulrich Marschall vom Karolinska-Hospital in Stockholm hingewiesen.

Als Therapie habe sich Ursodeoxycholsäure bewährt. Erstaunlich sei jedoch, so Marschall, daß man mit Ursodeoxycholsäure (etwa Ursofalk®) zwar den Juckreiz bei einer Schwangerschafts-Cholestase, nicht aber bei anderen cholestatischen Erkrankungen lindern kann. In einer kleinen Untersuchung hat er mit seiner Arbeitsgruppe nun eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen gefunden. Die Daten wurden auf einem Symposium der Falk Foundation in Freiburg vorgestellt.

In der Studie erhielten 22 Schwangere entweder Placebo, Dexamethason (12 mg pro Tag) oder Ursodeoxycholsäure (1 g pro Tag) für drei Wochen. Mit keiner Therapie kam es dabei zu einer nennenswerten Änderung der Gallensäure-Werte im Serum. Mit Placebo oder Dexamethason blieb auch der Wert für Pregnandiol-Disulfid, einem Progesteron-Metaboliten, weitgehend konstant.

Mit Ursodeoxycholsäure ließ sich jedoch die Konzentration des Progesteron-Metaboliten nach einer Woche um 33 Prozent, nach zwei Wochen um 44 Prozent und nach drei Wochen um 53 Prozent reduzieren, sagte Marschall. Der Juckreiz schien dabei mit dem Serumwert von Pregnandiol-Disulfid zu korrelieren: Nach drei Wochen Therapie war der Pruritus, gemessen mit einer visuellen Analogskala (maximal 100 Punkte bei schwerstem Juckreiz), von knapp 80 Punkten auf unter 25 Punkte gefallen.

Ursodeoxycholsäure kann offenbar ein Protein aktivieren, daß Gallensäure aus Leberzellen in die Gallengänge pumpt. Über diese Pumpe werden möglicherweise auch vermehrt Progesteron-Metaboliten ausgeschieden. Dies, so Marschall, wäre eine plausible Erklärung für den beobachteten Effekt.

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