Ärzte Zeitung, 04.04.2007

Eine einzige Toxin-Injektion zähmt überaktive Blase sechs Monate lang

Botulinum-Toxin hat sich vor allem bei neurogener Detrusor-Überaktivität bewährt

BERLIN (gvg). Immer häufiger setzen Urologen Botulinum-Toxin zur Therapie von Patienten mit überaktiver Blase ein. Mit einer einzigen Injektion können die Beschwerden monatelang unter Kontrolle gebracht werden.

"Botulinum-Toxin ist bei dieser Indikation nach wie vor nicht zugelassen, aber es wird mittlerweile breit verwendet", sagte Professor Chris Chapple aus Großbritannien auf dem Europäischen Urologenkongress in Berlin. Das Toxin wird zur Ruhigstellung einer überaktiven Blase direkt in die Blasenwand, und zwar in den Detrusormuskel, injiziert. Es reduziert die efferente Nervenaktivität, wahrscheinlich, indem es die Freisetzung von Acetylcholin hemmt.

Der Neurotransmitter ist für die Kontraktion der parasympathisch innervierten Blasenwand erforderlich. Möglicherweise würden auch afferente Fasern blockiert, was zu einem verringerten Gefühl der Dranginkontinenz führe, sagte Professor Dirk De Ridder vom Uniklinikum Leuven in Belgien.

Gute Daten zur der Toxin-Anwendung gebe es bisher vor allem bei Patienten mit neurogener Überaktivität des Detrusors. Mehrere offene und zwei randomisiert-kontrollierte Studien hätten die gute Wirksamkeit der Behandlung bei diesen Patienten dokumentiert. "Mit einer einzigen Injektion können die Symptome bei einigen Patienten für sechs Monate und länger gelindert werden", sagte Chapple. Auch wiederholte Injektionen mit der Substanz scheinen sicher zu sein, wenngleich sich die Urologen bisher weder über die optimale Dosis noch über die optimale Injektionstechnik einigen konnten.

Bei idiopathischer Dranginkontinenz sei die Datenlage wesentlich schlechter, sagte De Ridder in Berlin. Hier gibt es bisher keine randomisiert-kontrollierte Studie. Nicht zuletzt deswegen könne auch noch nicht genau angegeben werden, wie hoch das Risiko einer Harnretention ist. "Es ist wohl erhöht, aber wahrscheinlich liegt es unter fünf Prozent", so De Ridder.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »