Ärzte Zeitung, 25.06.2007

Spezielles Programm für Frauen verbessert Reha nach Herzinfarkt

Größerer Reha-Erfolg in reiner Frauengruppe / Frauen wollen lieber unter sich sein

BERLIN (gvg). Mit einer kardiologischen Rehabilitation speziell für Frauen haben Ärzte der Ludwig-Maximilians-Universität München gute Erfahrungen gemacht. Der langfristige Rehabilitationserfolg war größer als bei einer gemischt-geschlechtlichen Standard-Reha. Auch die Zufriedenheit war höher.

Meist machen Frauen ihre Reha-Übungen zusammen mit Männern. In reinen Frauengruppen fühlen sie sich jedoch wohler. Foto Ogilvy

So lässt sich das Ergebnis einer Studie mit 160 Frauen zusammenfassen, die wegen KHK oder Herzinfarkt eine dreiwöchige stationäre Rehabilitation machten. Ein Teil der Frauen erhielt die Standard-Rehabilitation, der Rest als Alternative ein frauenspezifisches Programm, hat Privatdozentin Dr. Ursula Härtel von der LMU berichtet.

"Die medizinische Therapie war in beiden Gruppen gleich", so Härtel auf dem Hauptstadtkongress in Berlin. Unterschiede gab es dagegen beim Begleitprogramm. So wurden die Bewegungsgruppen speziell auf Frauen zugeschnitten, etwa indem ein Fokus auf Beckenboden-Training, Abnehmen und Partnerübungen gelegt wurde. In der psychologischen Betreuung wurde stärker auf frauenspezifische Ängste eingegangen und die Mehrfachbelastung in Familie und Beruf angesprochen. Außerdem wurden spezielle Entspannungstechniken und musische Therapien angeboten.

"Unmittelbar nach der Therapie waren die Frauen in der Interventionsgruppe signifikant zufriedener mit Bewegungsübungen, Ernährungskursen und psychologischer Betreuung", sagte Härtel. In einer Befragung nach einem Jahr waren zudem die Kenntnisse über kardiale Risikofaktoren signifikant besser als bei der Standard-Reha, und die Teilnahmequote an Herzsportgruppen war signifikant höher. Auch unabhängig vom Herzsport bewegten sich Frauen nach einer frauenspezifischen Rehabilitation mehr als die Patientinnen mit Standard-Rehabilitation.

Ein weiteres Argument für die Frauengruppe in der kardiologischen Rehabilitation lieferte die Frage, ob die Teilnehmerinnen im Nachhinein lieber eine gemischt-geschlechtlichen Gruppe gehabt hätten. 91 Prozent beantworteten diese Frage mit "nein".

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