Ärzte Zeitung, 08.02.2008

Erfolg bei künstlicher Befruchtung fast verdoppelt

Eizellen werden unter dem Polarisationsmikroskop voruntersucht / Neue Methode zur ICSI an der Uni Bonn evaluiert

BONN (run). Ein neues Verfahren kann die Erfolgsquote einer künstlichen Befruchtung durch intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) deutlich erhöhen.

Bei diesem Verfahren wird die Erkenntnis genutzt, dass unter dem Polarisationsmikroskop die Hülle der Eizelle als leuchtend orange-roter Ring erscheint. "Je heller dieser Ring ist und je gleichmäßiger er leuchtet, desto höher ist die Chance, dass daraus nach Spermieninjektion und Implantation auch ein Kind entsteht", erläutert Privatdozent Dr. Markus Montag von der Universität Bonn. Der Reproduktionsbiologe hat zusammen mit Kollegen in einer prospektiven Studie mit 124 Frauen den Erfolg dieser Methode bestätigt.

In der Studie, deren Ergebnisse auch in "Reproductive Biomedicine" veröffentlicht wurden (2008, 2, 239), wurden die befruchtungsfähigen Eizellen jeder Frau - mindestens je vier - vor der ICSI klassifiziert. Sie wurden in solche mit hoher Lichtbrechung ("gute") und solche mit geringer ("schlechte") unterschieden. Jeder Frau wurden dann zwei befruchtete Eizellen implantiert. Konnten die Wissenschaftler dabei auf zwei "gute" Eizellen zurückgreifen, betrug die Rate erfolgreicher Schwangerschaften über 50 Prozent.

Normalerweise ist nur jede dritte ICSI erfolgreich. "Allerdings sind gute Eizellen rar", so Montag. Nur bei zwei von zehn sei die Hülle kräftig und gleichmäßig orange. Aber auch wenn nur eine "gute" und eine "schlechte" Eizelle befruchtet und implantiert wurden, betrug die Erfolgsquote noch 40 bis 50 Prozent. Konnten jedoch nur zwei "schlechte" Eizellen genutzt werden, sank die Quote auf 20 Prozent.

Zur Bewertung der Eihüllenbeschaffenheit griff das Bonner Team auf eine spezielle Software zurück, die zusammen mit der Firma Octax Microscience entwickelt wurde. Damit wird das Mikroskop-Bild objektiv analysiert, und es werden die geeigneten Zellen vorgeschlagen. Das Verfahren wird in Bonn bei ICSI-Patientinnen bereits routinemäßig angewendet. Fünf weitere deutsche Reproduktionskliniken nutzen nach Montags Auskunft das Verfahren.

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