Ärzte Zeitung, 10.04.2008

PCR-Test erspart Prophylaxe gegen Rhesus-Antigen

PCR bei 1869 Schwangeren

LONDON (skh). Britische Forscher haben belegt, dass sich mit einem PCR-Test auf fötale Rhesus-DNA im venösen Blut von Schwangeren eine unnötige Prophylaxe mit Anti-D-Immunglobulinen vermeiden lässt.

Bei etwa einem Drittel der Rhesus-negativen Schwangeren ist auch der Fötus Rhesus-negativ, und die Prophylaxe gegen Rhesus-Antigen damit überflüssig.

Das Team um Dr. Geoff Daniels hatte venöse Blutproben von 1869 Rhesus-negativen Schwangeren und Nabelschnurblut der dazugehörigen Neugeborenen aus der Blutbank des National Health Service untersucht (BMJ 2008, online). Im Blut der Schwangeren wurde per PCR DNA aus dem Rhesus-Gen nachgewiesen, die vom fötalen in den mütterlichen Kreislauf übergetreten war. Zur Prüfung des tatsächlichen fötalen Rhesus-Status wurde das Rhesus-D-Gen in Blutzellen aus Nabelschnurblut nachgewiesen. Bei fast 96 Prozent der Frauen stimmte das Ergebnis des DNA-Tests im mütterlichen Blut mit dem tatsächlichen Genotyp des Fötus überein. Falsch-positive DNA-Nachweise gab es bei 0,8 Prozent, falsch-negative bei 0,2 Prozent.

Wäre bei den 1869 Studienteilnehmerinnen die Indikation für eine Anti-D-Prophylaxe nach dem Ergebnis der PCR aus dem mütterlichen Blut gestellt worden, so hätten nur 37 Frauen (zwei Prozent) eine unnötige Prophylaxe erhalten. Würde ein solcher Test routinemäßig angewendet, könnten unnötige Behandlungen und Kosten gespart werden.

STICHWORT

Rhesus- Inkompatibilität

Eine Rhesus-Inkompatibilität besteht, wenn der Fetus Rhesus-positiv, die Mutter aber Rhesus-negativ ist. Wenn die Mutter Antikörper gegen den Rhesusfaktor entwickelt hat (etwa nach einer Exposition mit Rhesus-positivem fetalem Blut bei einer früheren Schwangerschaft), kann es bei einer folgenden Schwangerschaft zum Morbus haemolyticus neonatorum und Hydrops fetalis kommen. Deshalb erhalten alle Rhesus-negativen Frauen eine Prophylaxe mit Anti-D-Immunglobulinen. In etwa einem Drittel der Fälle sind die Injektionen überflüssig, da der Fetus ebenfalls Rhesus-negativ ist.

(skh)

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