Ärzte Zeitung online, 21.10.2008

Gynäkologe nennt das Entstehen von Sechslingen einen "groben medizinischen Fehler"

HAMBURG (dpa). Die Berliner Sechslinge haben nach Experteneinschätzung sehr gute Überlebenschancen. "In der 28. Woche liegt die Wahrscheinlichkeit für ein gesundes Überleben bei über 90 Prozent", sagt Professor Bernhard-Joachim Hackeloer, Chef des Mutter- Kind-Zentrums an der Asklepios-Klinik Barmbek in Hamburg. Generell sei das Entstehen von Sechslingen "ein grober medizinischer Fehler".

Das Risiko für Kinder und Mutter sei bei einer solchen Schwangerschaft einfach zu hoch. "Ich erinnere nur an den Münchner Fall vor 20 Jahren, als die Mutter bei der Geburt der Sechslinge starb", der dpa.

Heute gebe es alle medizinischen Möglichkeiten, um zu verhindern, dass so viele Embryonen entstehen oder eingepflanzt werden. "Allerdings wird das in vielen anderen Ländern anders gehandhabt", kritisierte Hackeloer.

In Polen oder Spanien etwa werde sowohl nach Hormonbehandlungen der Mutter als auch nach künstlichen Befruchtungen in Kauf genommen, dass mehr als drei Kinder im Mutterleib heranwachsen. In Deutschland erlaubt das Embryonenschutzgesetz bei künstlichen Befruchtungen nur das Zeugen von drei Embryonen pro Zyklus, die dann auch alle eingepflanzt werden müssen. Die Untersuchung der Embryonen vor der Übertragung kann nach Ansicht Hackeloers helfen, risikoreiche Mehrlingsschwangerschaften zu verhindern. Dann würden nur ein bis zwei, aber dafür vitale Embryonen eingepflanzt.

Für die gute Prognose der Berliner Sechslinge ist es laut Hackeloer entscheidend, dass sie in einem hoch spezialisierten Zentrum auf die Welt gekommen sind. Einen Kaiserschnitt könnten viele machen, die anspruchsvolle Betreuung von Mehrlingen aber brauche große Erfahrung, betonte der Gynäkologe.

Da die Lungen bei Frühgeborenen noch nicht ausgereift seien, könnten bei den Kindern Atemprobleme auftreten. Auch mögliche Infektionen seien gefährlich, weil sie zu Hirnblutungen führen könnten. "Heute gibt es da aber gute Behandlungsmöglichkeiten", sagte Hackeloer.

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