Ärzte Zeitung online, 16.07.2009

Atemrhythmus von Schwangeren kann Herzschlag der Babies beeinflussen

BOCHUM (eb). Die Herzen von Schwangeren und ihren ungeborenen Kindern schlagen zeitweise synchron. Dieses Verhalten wird maßgeblich durch den Atemrhythmus der Mutter beeinflusst. Das haben Wissenschaftler aus Witten/Herdecke und Potsdam herausgefunden. Das Verfahren könnte genutzt werden, um Komplikationen in der Schwangerschaft frühzeitig zu erkennen und um Mutter und Kind in der Schwangerschaft besser zu überwachen.

Atemrhythmus von Schwangeren kann Herzschlag der Babies beeinflussen

Atmet die Mutter schnell, schlagen ihr Herz und das des Ungeborenen im selben Takt.

Foto: sebastian kaulitzki©www.fotolia.de

Schwangere berichten häufig, dass sie eine besondere Beziehung zu ihren ungeborenen Kindern verspüren. Der Grund für diese Verbindung könnte zum Teil die Synchronisation des Herzschlags sein. Der Gleichklang wird maßgeblich vom Atemrhythmus der Mutter beeinflusst, berichtet ein Forscherteam um Peter van Leeuwen von der Universität Witten/Herdecke.

"Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass der Fötus in der Lage ist, den Herzschlag seiner Mutter wahrzunehmen und seinen Herzschlag daran anzupassen. Zum ersten Mal ist es gelungen, in einem so frühen Stadium das enge körperliche, möglicherweise sogar emotionale Zusammenspiel zwischen Mutter und Kind bereits im Mutterleib zu dokumentieren", so Dietrich Grönemeyer, ebenfalls von der Uni Witten/Herdecke.

Die Wissenschaftler entwickelten einen Algorithmus, der das synchrone Verhalten in Messdaten identifizieren kann. Dieser mathematische Ansatz macht es möglich, das Zusammenspiel der Herzen als deutliche Interaktion zu deuten. "Das Verfahren kann Aufschluss über die vorgeburtliche Entwicklung des Herz-Kreislauf- und möglicherweise auch des Nervensystems des Ungeborenen geben. Möglicherweise sind wir sogar in der Lage, Erkrankungen des Ungeborenen so frühzeitig festzustellen", sagt van Leeuwen.

Für die aktuelle Studie wurden sechs in der 34. bis 40. Woche Schwangere mit einem Magnetokardiografen untersucht. Die Probandinnen folgten für jeweils fünf Minuten einem vorgegebenen Atemrhythmus von 10, 12, 15 und 20 Atemzügen pro Minute.

Wie die Forscher berichten, treten die Synchronisationsepochen des Herzschlags von Mutter und Ungeborenem deutlich häufiger auf, wenn die Mutter einem schnellen Atemrhythmus folgt, bei langsamer Atmung hingegen scheint das Zusammenspiel eher verhindert zu werden. Das synchrone Verhalten besteht in diesen Fällen nicht in einem gleichen Herzrhythmus (eins zu eins), sondern einem festen Verhältnis der Herzfrequenz des Kindes zur Herzfrequenz der Mutter von beispielsweise drei zu zwei oder vier zu drei.

Nachweisen konnten die Forscher diese versteckte Verbindung mit der Analysetechnik "Twin Surrogates". Nach dieser Methode werden zunächst unabhängige Kopien des zugrunde liegenden Systems erzeugt. Mithilfe dieser Ersatzdaten können die Synchronisationsepochen statistisch identifiziert werden.

Zum Abstract der Originalpublikation "Influence of paced maternal breathing on fetal-maternal heart rate coordination"

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