Ärzte Zeitung, 12.10.2009

Ergänzung mit Vitamin B12 in Frühschwangerschaft - Erfolg in Kanada

TORONTO (nke). Wenn in der Frühschwangerschaft zu wenig Vitamin B12 verfügbar ist, steigt das Risiko für einen Neuralrohrdefekt des Kindes. Das ist unabhängig von der Folsäurezufuhr, wie eine kanadische Studie ergeben hat.

Zwischen der dritten und vierten Woche nach der Konzeption schließt sich das Neuralrohr des Embryos. In dieser kritischen Phase benötigt die Schwangere ausreichend hohe Konzentrationen von Folsäure und Vitamin B12. Die Folsäure-Anreicherung von Getreideprodukten in Kanada hat die Rate von Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen deutlich reduziert. Eine weitere Reduktion ist möglich, wenn zusätzlich Vitamin B12 in der Nahrung angereichert wird. Das hat die Arbeitsgruppe von der Uni Toronto angenommen.

Dr. Miles D. Thompson und seine Kollegen analysierten Daten von mehr als 300 000 Frauen des "Maternal Serum Screening" der Provinz Ontario (Am J Clin Nutr 89: 697S-701S, 2009), die vor und nach der Folsäureanreicherung erhoben wurden.

Die Prävalenz von Neuralrohrdefekten wie Spina bifida und Anencephalie ging mit der Anreicherung deutlich zurück, von 1,13 auf 0,58 von 100 000 Schwangerschaften. In einer Fall-Kontroll-Studie untersuchten die kanadischen Forscher zudem die Beziehung zwischen niedrigem Vitamin B12-Status und dem Risiko für Neuralrohrdefekte. Als Maß für den Vitamin B12-Status verwendeten sie Holotranscobalamin, die bioverfügbare Fraktion des zirkulierenden Vitamins.

Frauen mit der schlechtesten Vitamin B12-Versorgung hatten ein dreifach erhöhtes Risiko, ein Kind mit Neuralrohrdefekt zu bekommen. Die Autoren vermuten, dass eine Anreicherung der Nahrung mit Vitamin B12 mehr Neuralrohrdefekte verhindern kann, als die Folsäureanreicherung allein.

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