Ärzte Zeitung, 18.10.2004

Aufschwung in der Entwicklung von Malaria-Impfstoffen

Weit mehr als 35 Impfstoffe sind in der präklinischen und klinischen Forschung / Größte Studie mit mehr als 2000 Kindern in Afrika

NEU-ISENBURG (ple). Nach langer Zeit der Stagnation ist die Forschung zur Entwicklung von Impfstoffen gegen Malaria jetzt in eine neue Phase getreten. Nicht zuletzt durch die ermutigenden Ergebnisse einer aktuellen Impfstudie in Mosambik gibt es berechtigte Hoffnung, daß sich der Malaria-Erreger eines Tages doch durch eine Impfung in Schach halten läßt.

Wie berichtet, ist es in einer Phase-2-Studie in Mosambik gelungen, durch die Impfung mit der bisher klinisch am weitesten entwickelten Vakzine RTS,S/AS02A einen anhaltenden Impfschutz von 30 Prozent zu erreichen. Fast 60 Prozent schwere Malariasymptome ließen sich durch die Impfung mit dem gentechnisch hergestellten Impfstoff von GlaxoSmithKline Biologicals verhindern. Die Vakzine wirkte mindestens sechs Monate lang.

Teilgenommen hatten an der bisher größten derartigen Studie in Afrika mehr als 2000 Kinder zwischen einem Jahr und vier Jahren. Die Studienergebnisse zeigten, daß ein Impfstoff gegen den Malaria-Erreger Plasmodium falciparum, der auf einem Eiweißmolekül dieses Erregers basiert, tatsächlich möglich sei, so Jean Stéphenne, Präsident und General Manager des Unternehmens. Es hat gemeinsam mit der Malaria Vaccine Initiative (MVI) die Studie finanziert. MVI fördert seit 1999 mit Unterstützung durch die Melinda-und-Bill-Gates-Stiftung die Impfstoff-Forschung.

Der jetzt geprüfte Impfstoff enthält ein Eiweißmolekül einer frühen Entwicklungsform, des Sporozoiten von Plasmodium falciparum. Der Sporozoit wird von der Malaria-Mücke in das Blut injiziert und gelangt mit ihm in die Leber. Die durch den Impfstoff ausgelöste Immunabwehr verhindert, daß der Sporozoit die Leberzellen befällt oder überlebt. Denn die Impfung löst die Bildung von Antikörpern aus und induziert zudem eine spezifische zelluläre Abwehr. In der Vakzine ist das Erregerprotein an das Oberflächen-Antigen des Hepatitis-B-Virus, an HBsAg, gekoppelt. Und: Gemeinsam verabreichte Adjuvantien erhöhen schließlich die Antigenität des Impfstoffs.

Andere, weniger weit entwickelte Impfstoffe enthalten andere Proteine des Plasmodiums und des Hepatitis-B-Virus, bestehen aus synthetischen Molekülen oder enthalten Eiweißmoleküle anderer Entwicklungsstadien des Malaria-Erregers. Auch eine DNA-Vakzine mit dem Bauplan für mehrere Proteine des Erregers werden getestet. Weit mehr als 35 verschiedene Impfstoffe befinden sich derzeit in präklinischen und klinischen Studien.

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