Ärzte Zeitung, 25.11.2004

BUCHTIP

Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie

Epidemiologischen Untersuchungen zufolge hat mindestens ein Drittel der Patienten in Allgemeinarztpraxen und Krankenhäusern psychische Störungen oder ist alkoholabhängig. Dabei können körperliche und psychische Krankheit entweder unverbunden nebeneinander bestehen, oder eine Erkrankung kann die andere bedingen.

Diagnostisch schwierige Konstellationen treten auf, wo sich Symptome beider überschneiden. Beispiel: Ist die Appetitlosigkeit durch die Krebserkrankung bedingt oder Ausdruck einer depressiven Reaktion auf das schwere Leiden? Bei Patienten mit einer psychischen Erkrankung wiederum ist das Risiko, zusätzlich körperlich zu erkranken, besonders hoch, aber gerade bei ihnen bleibt eine körperliche Erkrankung besonders lange unerkannt.

Die Eigenheiten von zwei gleichzeitig vorliegenden Störungen zu berücksichtigen, ist Aufgabe der Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie. In diesem Gebiet zwischen psychischer und somatischer Medizin sollten sich Ärzte möglichst sicher bewegen, so die Herausgeber Volker Arolt und Albert Diefenbacher.

Wie sie erläutern, überwiegt im klinisch-praktischen Alltag das klassische Konsilium: Der Arzt erkennt oder vermutet eine psychische Störung und zieht einen Psychiater von außerhalb als Ratgeber hinzu. Im Liaisondienst dagegen, der vor allem in Schmerzambulanzen und auf Krebsstationen verbreitet ist, gehört der Psychiater fest zu einem interdisziplinären Team.

Im ersten Teil des Buches werden die Grundlagen dieses Zweigs der Psychiatrie besprochen. Im zweiten Teil gehen die Autoren auf psychische Störungen bei einzelnen Krankheitsbildern ein, etwa bei Demenz, funktioneller Dyspepsie, Schädel-Hirn-Traumen oder Hauterkrankungen. (ars)

Volker Arolt, Albert Diefenbacher (Hrsg.): Psychiatrie in der klinischen Medizin, Konsiliarpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie, Steinkopff-Verlag, Darmstadt 2004, ISBN 3-7985-1327-9, 656 Seiten, 128 Euro.

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