Ärzte Zeitung, 22.03.2006

KOMMENTAR

Eine Masernwelle ist in Sicht

Von Wolfgang Geissel

In Deutschland scheint sich in diesem Jahr eine Masernwelle aufzubauen. Nach kleineren Ausbrüchen, etwa im Raum Stuttgart Anfang des Jahres, häufen sich jetzt die Infektionen bei Kindern in Nordrhein-Westfalen.

Die Ausbrüche waren abzusehen, denn die Impfraten haben sich in Deutschland seit Jahren kaum verbessert. Die letzte größere Masernwelle liegt zudem vier Jahre zurück.

95 Prozent aller Kinder müßten zweimal gegen Masern geimpft sein, um die auch in Deutschland angestrebte Eliminierung von Masernviren in Europa bis 2007 erreichen zu können. Es fehlen jedoch Programme mit konkreten Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen.

Für Verbesserungen wären Impfkampagnen nötig, ähnlich wie in den 60er Jahren gegen Polio. Die Gesundheitsminister der Länder kommen aber bisher ihrer Pflicht aus dem Infektionsschutzgesetz kaum nach, angemessen über Impfungen zu informieren.

Angesichts der erhöhten Ansteckungsgefahr  ist es jetzt die Aufgabe von Hausärzten und Pädiatern, verstärkt die Impfbücher zu kontrollieren und Impflücken zu schließen. Treten Masern in Familien auf, dann können Kinder dort auch schon vor dem ersten Geburtstag geimpft werden.

Binnen drei Tagen nach Kontakt mit einem Masernkranken wird zudem allen Ungeschützten zur Impfung geraten. Zusätzlich ist bei Personen mit erhöhtem Risiko wie bei Krebs oder Schwangerschaft die Therapie mit Immunglobulinen zu erwägen.

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