Ärzte Zeitung, 10.12.2007

Neue Option bei invasiven Candidosen

Anidulafungin bewährt sich im Vergleich mit Fluconazol

MÜNCHEN (kas). Mit Anidulafungin aus der Wirkstoffklasse der Echinocandine ist jüngst ein neues Antimykotikum zur Behandlung von Patienten mit invasiver Candida-Infektionen bei nicht neutropenischen Patienten zugelassen worden.

Invasive oder systemische Pilzinfektionen nehmen seit Jahren an Häufigkeit zu und betreffen längst nicht mehr nur hämato-onkologische Risikopatienten mit Neutropenie, sondern auch Diabetiker oder Patienten in intensivmedizinischer Versorgung oder nach einer viszeralchirurgischen Operation. Das hat Professor Eckhard Müller aus Bochum auf einem von Pfizer ausgerichteten Launch-Symposium berichtet.

In einer von Dr. Annette C. Reboli und ihren Kollegen veröffentlichten Doppelblindstudie hatte Anidulafungin (Ecalta®) bei 245 Patienten mit invasiver Candida-Infektion (davon 89 Prozent Candidämie) eine signifikant bessere Wirksamkeit im Vergleich zu Fluconazol gezeigt (NEJM 356, 2007, 2472).

Begleiterkrankungen waren etwa Diabetes, bakterielle Sepsis, Nierenversagen oder -insuffizienz. Häufigste Candidose-Risikofaktoren waren zentrale Venenkatheter, Breitspektrum-Antibiotika und vorausgegangene chirurgische Eingriffe. Häufigste Erreger waren Candida albicans (62 Prozent), C. glabrata, C. parapsilosis und C. tropicalis.

Von den mit 100 mg / Tag Anidulafungin i.v. (am 1. Tag: 200 mg) Behandelten hatten am Ende der intravenösen Therapiephase 76 Prozent klinisch und mikrobiologisch angesprochen. Bei den mit 400 mg/Tag Fluconazol i.v. (am 1. Tag: 800 mg) behandelten Patienten betrug diese Response-Rate 60 Prozent, berichtete PD Oliver Cornely aus Köln.

Bei Stratifizierung nach der infizierenden Candida-Spezies zeigte sich lediglich für C. parapsilosis eine höhere Ansprechrate unter Fluconazol, allerdings war der Unterschied nicht statistisch signifikant. In der Fluconazol-Gruppe starben mehr Patienten als im Anidulafungin-Arm (31 versus 23 Prozent) - auch dieser Unterschied war nicht signifikant. Die meisten Studienteilnehmer (97 Prozent) hatten keine Neutropenie.

Anidulafungin ist sehr gut verträglich und muss parenteral verabreicht werden. Von dem Wirkstoff sind bislang weniger potenzielle Arzneimittel-Interaktionen bekannt als von anderen Echinocandinen. die Anidulafungin-Dosis braucht selbst bei Komedikation mit Rifampicin nicht angepasst werden.

STICHWORT

Echinocandine

Anidulafungin ist ein halbsynthetischer Abkömmling des Echinocandin B. Wirkstoffe aus der Gruppe der Echinocandine, die zur Behandlung von Patienten mit Candidosen entwickelt worden sind, hemmen das Enzym Glycan-Synthase, das für den Aufbau der äußeren Pilzzellwand durch Synthese von Glycan-Polymeren erforderlich ist. Diese Polymere kommen in Zellen von Menschen nicht vor. Durch Anidulafungin wird der Zusammenhalt der Pilzwand gestört, die Pilzzelle stirbt. Anidulafungin wirkt gegen die Candida-Arten C. albicans, C. tropicalis, C. glabrata und C. krusei fungizid.

(ple)

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