Ärzte Zeitung, 25.03.2008

KOMMENTAR

Richtungslose Weiterbildung

Von Wolfgang van den Bergh

Die Einführung des Facharztes für Allgemeinmedizin in Berlin ist ein Triumph - allerdings nur für diejenigen, die einen Kontrapunkt zur Wiedereinführung des Facharztes für Innere Medizin ohne Schwerpunkt setzen wollten. Für diejenigen, die sich in der Weiterbildung befinden oder kurz davor stehen, ist das Chaos perfekt. Was tun, werden sie sich fragen, bei soviel Uneinheitlichkeit und offenbarer Uneinsichtigkeit.

Nicht auf Brüssel schielen - das Problem liegt in Deutschland

Die Empfehlung des Deutschen Ärztetages, den Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin bundesweit zu etablieren, ist fehlgeschlagen. Einmal mehr ist deutlich geworden, dass die Weiterbildungsordnung seit Jahren ein Spielball derer ist, die versuchen, die Diskussion ideologisch und interessengesteuert zu führen, um damit am ehesten sich, aber am wenigsten den jungen Ärzten zu helfen.

Es sind auch nicht die Brüsseler Behörden, die den Landesärztekammern und deren Aufsichtsministerien permanent im Nacken sitzen. Dass die Weiterbildungsordnung zur unendlichen Geschichte geworden ist, liegt alleine am Entscheidungsprocedere in Deutschland. Berlin belegt das: Im Prinzip wird hier die gesamte Diskussion über die Weiterbildungsordnung der vergangenen sechs Jahre ausgeblendet, um einen Beschluss zu treffen, der bis zur Weiterbildungsentscheidung in Rostock 2002 Bestand hatte.

Föderalismus muss zur Disposition stehen

Wie soll's nun weitergehen? Auf die nächsten Ärztetage zu hoffen, bleibt fragwürdig. Die Erfahrungen der vergangenen Ärztetage haben gezeigt, dass jede getroffene Entscheidung, die aufgrund des rechtlichen Status‘ der Ärztetage nur empfehlenden Charakter haben kann, dann zur Makulatur wird, wenn sich Landesärztekammern nicht dem Mehrheitsvotum beugen. Über dieses Procedere muss im Interesse des Nachwuchses nachgedacht werden. Es sei denn, man nimmt billigend in Kauf, dass das Thema Weiterbildungsordnung bald von anderen geregelt wird - nur nicht mehr von den Kammern, weil sie Kompetenz und Glaubwürdigkeit verspielt haben.

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