Kongress, 13.04.2010

DGIM-Logo

Nicht jede Stenose bedeutet Atherosklerose

Bei belastungsabhängigen Brustschmerzen wird heute oft rasch eine Gefäßdiagnostik gemacht. Finden sich Engstellen, wird interveniert. Doch Vorsicht: Nicht jede arterielle Engstelle ist atherosklerotisch bedingt.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Nicht jede Stenose bedeutet Atherosklerose

Koronarstenose (Pfeil) in der Angiografie. Zu bedenken ist, dass auch rheumatische Erkrankungen arterielle Stenosen verursachen können, die aber nicht Ausdruck einer Atherosklerose sind. © Siemens Medical Solutions

Professor Sigrid Nikol vom Asklepios-Klinikum St. Georg in Hamburg berichtete in Wiesbaden über der Fall einer eine Patientin in den Dreißigern, die mit typischen Angina pectoris-Beschwerden und Ischämienachweis in einer Herzklinik vorstellig wurde. Sie erhielt dort einen arteriellen Bypass unter Verwendung der linken Arteria mammaria (LIMA).

Das besserte die Symptome allerdings nicht. Im Gegenteil, die Patientin bekam in der Folge zusätzlich Armschmerzen. Erst in einer erneuten Angiografie zeigte sich ein linksseitiger Verschluss der A. subclavia, der vorher schlicht übersehen worden war, weil sich die A. subclavia retrograd gefüllt hatte.

"Es stellte sich heraus, dass diese Patientin eine Takayashu-Arteriitis hatte, die für den Subclavia-Verschluss, aber auch für die Koronarsymptomatik verantwortlich war", berichtete Nikol.

Es sich nicht zu leicht machen in der Diagnostik, lautet angesichts dieser Erfahrung die Botschaft Nikols. Mit einer simplen Blutdruckmessung an beiden Armen hätten dieses Problem erkannt und der Bypass vielleicht vermieden werden können.

Auch andere rheumatische Erkrankungen können arterielle Stenosen verursachen und damit eine atherosklerotische Gefäßverengung vortäuschen, so beispielsweise die Sklerodermie. "Der Verdacht auf eine Sklerodermie sollte dem Arzt vor allem dann kommen, wenn die Gefäßverschlüsse an Stellen auftreten, die für die Atherosklerose eher untypisch sind", betonte die Hamburger Expertin.

So träten distale Verschlüsse der A. subclavia und auch Verschlüsse der A. brachialis bei Atherosklerose selten oder nie, bei Sklerodermie dagegen häufiger auf. "Am Bein sollten umschriebene Stenosen im Segment 1 der Poplitealarterie bei sonst unauffälligen Gefäßen an eine Sklerodermie denken lassen", so Nikol.

Generell empfahl die Expertin, bei Patienten mit Gefäßstenosen, aber ohne kardiovaskuläre Risikofaktoren, eine rheumatische Genese immer in Erwägung zu ziehen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »