Ärzte Zeitung online, 15.06.2010

Forscher: Tranexamsäure könnte Leben retten

LONDON (dpa). Eine einfache Injektion könnte jährlich zehntausende Unfallopfer vor dem Verbluten retten. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer im britischen Medizinjournal "The Lancet" veröffentlichten Studie. Sie hatten die Wirkung der Tranexamsäure (TXA) untersucht.

Die Substanz ist günstig, patentfrei und von verschiedenen Anbietern zu haben. Sie wird bereits als hemmendes Mittel etwa bei Zahnfleischbluten und größeren Operationen angewandt.

Das Mittel bremst die Auflösung von Blutgerinnseln und fördert so die Gerinnung bei schwerverletzten Unfallopfern. Allerdings sind Blutgerinnsel auch die Auslöser von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenembolien. Mediziner hatten daher befürchtet, dass eine TXA-Gabe das Risiko dieser schweren Komplikationen erhöht.

Eine Studie mit 20 000 Unfallopfern in 274 Krankenhäusern in 40 Ländern ergab jedoch, dass die hemmende Substanz die Todesfälle durch Verbluten vermindert, ohne dass gleichzeitig die Zahl der befürchteten Komplikationen ansteigt.

Durch die Verabreichung von TXA verringerte sich das Sterberisiko wegen starker Blutverluste in der Studie um ein Sechstel. In Europa könnten 2000 Leben pro Jahr gerettet werden, hieß es.

"Jedes Jahr verbluten weltweit etwa 600 000 Patienten", sagte der Epidemiologe Professor Ian Roberts von der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM). Für die Gruppe der 5- bis 45-Jährigen seien Verletzungen - ob durch Unfall oder Messerstecherei - die zweithäufigste Todesursache nach der Immunschwächekrankheit Aids. Die Todesfälle nach Verletzungen würden weltweit steigen. Die Substanz müsse auf die Liste notwendiger Medikamente der Weltgesundheitsorganisation gesetzt werden, forderten die Autoren der Studie.

Volltext der Studie: Effects of tranexamic acid on death, vascular occlusive events, and blood transfusion in trauma patients with significant haemorrhage (CRASH-2): a randomised, placebo-controlled trial

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