Ärzte Zeitung, 10.01.2007

Wann brauchen Patienten mit unruhigen Beinen Medikamente?

Physikalische Therapien möglich / Leiden Patienten stark, raten Spezialisten zu Medikamenten / Optionen sind L-Dopa und Dopamin-Agonisten

MANNHEIM (grue). Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) verursacht unangenehme Beschwerden. Aber ab wann müssen dagegen Tabletten genommen werden? Bei der Neurowoche in Mannheim wurde das kontrovers diskutiert.

Bei Patienten mit RLS ist besonders abends das Kribbeln so stark, dass an einen ruhigen Schlaf nicht zu denken ist. Schätzungen zufolge haben acht Millionen Menschen in Deutschland ein RLS. Es gibt viele Strategien, um damit umzugehen: Laufen, Beine massieren, kalt duschen - das ist zwar lästig, aber für viele machbar. "Nur etwa ein Drittel haben so starke RLS-Beschwerden, dass sie eine medikamentöse Therapie brauchen", sagte Privatdozentin Karin Stiasny-Kolster aus Marburg.

RLS-Patienten sprächen zwar sehr gut auf eine Behandlung mit niedrig dosiertem L-Dopa oder Dopaminagonisten an, aber diese Medikamente sollten sparsam eingesetzt werden. Eine dopaminerge Überstimulation könne zu Wirkverlusten oder Symptom-Verlagerung führen, warnte die Neurologin. Sie empfehle eine solche Therapie nur Patienten mit mäßig schwerem und schwerem RLS, deren Lebensqualität erheblich beeinträchtigt ist.

Professor Claudia Trenkwalder aus Kassel sieht das etwas großzügiger. Es sei objektiv schwer zu beurteilen, wie schwer und belastend ein RLS ist. Jahrelange vergebliche Therapieversuche mit physikalischen Maßnahmen seien frustrierend und gingen ebenfalls zulasten der Lebensqualität. "Wenn die Patienten über anhaltende RLS-Beschwerden klagen, sollten sie wissen, dass es eine wirksame medikamentöse Therapie gibt", so Trenkwalder. Die Präparate werden gut vertragen und helfen schnell.

"Es muss doch nicht immer der steinige Weg sein, wenn es eine einfache Lösung gibt", so die Neurologin. "Mit den Tabletten bessern sich nicht nur die Bein-Beschwerden, sondern es geht auch mit der Lebensqualität wieder aufwärts". Besonders Dopamin-Agonisten eignen sich nach Angaben der Neurologin für eine Dauertherapie. Längere Einnahmepausen seien zwar möglich, allerdings kehren die RLS-Beschwerden meist schnell wieder zurück.

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