Ärzte Zeitung online, 14.08.2008

Ein Glas Wein - und der Tischnachbar ist plötzlich attraktiv

GLASGOW/BRISTOL (dpa). Das sprichwörtliche Schöntrinken gibt es nach Erkenntnissen britischer Wissenschaftler tatsächlich - und betrifft nicht nur das jeweils andere Geschlecht. Nach ein paar Gläschen fanden heterosexuelle Männer in einer Studie der Universität von Bristol sowohl Frauen als auch Vertreter des eigenen Geschlechts hübscher als vorher. Auch in den Augen von Frauen wurden Vertreter beider Geschlechter attraktiver.

Wie das Magazin "New Scientist" (2669, 2008, 12) berichtet, stehen diese Ergebnisse in einem gewissen Widerspruch zu Erkenntnissen eines 2003 von Forschern der Universität Glasgow unternommenen Schöntrink-Experiments. Das Glasgower Team war zu dem Schluss gelangt, dass eine mit steigendem Alkoholpegel positiver werdende Wahrnehmung anderer Menschen sich allein auf das jeweils andere Geschlecht bezieht.

Als Ursache der Ergebnisse in Bristol vermutet Teamleiter Marcus Munafò, dass die dortige Versuchsreihe mit 84 Probanden ein kontrolliertes Experiment war, während die Untersuchung in Glasgow in Bars und Cafés stattfand. Sie sei damit eher "konzentriert gewesen auf potenzielle sexuelle Partner in einer Umgebung, die für sexuelle Begegnungen förderlich ist". Anders als das Glasgower Experiment fand jenes in Bristol in völlig neutraler Umgebung statt.

Dabei wurden männlichen und weiblichen Studenten nach dem Genuss von rund einem viertel Liter Wein oder Saft Fotos von Männern und Frauen zur Bewertung vorgelegt. Die Probanden mit Alkoholkonsum bewerteten Menschen beider Geschlechter als attraktiver als diejenigen Probanden, die Saft getrunken hatten. Die Forscher in Bristol wollen nun einen weiteren Schöntrink-Test ansetzen - diesmal mit Videos, auf denen Menschen in Bars beim Flirten zu sehen sind. Der Originalartikel ist online im Journal "Alcohol and Alcoholism" erschienen.

Fachartikelnummer: DOI 10.1093/alcalc/agn065

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »