Ärzte Zeitung online, 11.11.2009

Psychotherapeuten warnen vor IQ-Doping

BERLIN (dpa). Psychotherapeuten warnen vor dem Einsatz von Medikamenten zum sogenannten Hirndoping. "Psychoaktive Arzneimittel bei Gesunden einzusetzen oder freiverkäuflich zu vertreiben, ist unverantwortlich", sagte Professor Reiner Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, am Mittwoch in Berlin.

Die Risiken eines unkontrollierten, weit verbreiteten und andauernden Konsums von Amphetamin-Abkömmlingen wie Methylphenidat und Modafinil seien noch gar nicht abschätzbar. "An der Rezeptpflicht für psychotrope Substanzen darf nicht gerüttelt werden", betonte Richter und warnte vor Nebenwirkungen. Gerade Amphetamin-Derivate hätten ein hohes Suchtpotenzial.

Die leistungssteigernde Wirkung dieser Substanzen bei Gesunden ist wissenschaftlich noch nicht belegt. Dennoch steigt die Zahl der Gesunden, die die Mittel zur vermeintlichen Konzentrationsverbesserung oder wegen subjektiv als aufputschend, stress- oder angstlösend empfundener Wirkung schlucken. "Selbst wenn es Mittel gäbe, die solche Wirkungen nachweisen, bedeutet eine bessere Konzentrations- oder Merkfähigkeit nicht automatisch eine verbesserte intellektuelle Leistungsfähigkeit", ergänzte Richter.

So könne eine schnellere und bedenkenlosere Entscheidung auch zu wenig analytische Tiefe bedeuten. Insgesamt unterstützten derartige Substanzen die Neigung, nicht mehr aus eigener Kraft seine Situation zu verbessern, sondern sich auf ein Medikament zu verlassen.

Erst vor wenigen Wochen haben sieben führende Wissenschaftler ein Memorandum zum Neuro-Doping vorgestellt, in dem sie vor dem unbedarften Konsum der nicht an Gesunden erprobten Mittel warnen, generell aber eine öffentliche Debatte dazu anregen.

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