Ärzte Zeitung, 01.12.2014

Psychologie

So töten Frauen

Düsseldorfer Forscher haben Tötungsdelikte von Täterinnen analysiert und dabei ein einheitliches Muster ausgemacht. Die Ergebnisse wurden auf dem DGPPN-Kongress in Berlin präsentiert.

BERLIN. Ungeplant und mit dem, was gerade zur Hand ist - so töten Frauen nach einer retrospektiven Analyse des Teams um Dr. Florence Hellen aus Düsseldorf. Sie konnten im Einzugsgebiet der Rechtsmedizin Düsseldorf im Zeitraum von 2006 bis 2011 elf Tötungen durch zehn Frauen auswerten.

In zwei Fällen handelte es sich um einen Neonatizid mit dem häufigen Muster der Verleugnung der Schwangerschaft durch die Mutter selbst und Unkenntnis der Schwangerschaft im nahen Umfeld. In vier Fällen wurden ältere eigene Kinder getötet, in einem Fall der Intimpartner, in einem Fall der Onkel und zweimal die Mutter.

Oft aus Überforderungssituation heraus

Die Täterinnen waren 19 bis 64 Jahre alt. Die Taten folgten immer ungeplant, oft aus einer Überforderungssituation heraus (bei der Versorgung des Kindes, der demenzkranken Mutter). Einmal wurde eine Waffe benutzt (ein Messer), sonst mit Tüchern oder Kissen stranguliert oder erstickt.

Eine psychiatrische Diagnose wurde in vier Fällen gestellt (paranoide Schizophrenie, kombinierte Persönlichkeitsstörung mit depressiver Episode, Depression, organische Persönlichkeitsstörung zusammen mit Alkoholabhängigkeit). Schuldunfähigkeit bestand bei einer Täterin.

Neonatizide stehen immer wieder im Fokus der Medien. Hellen geht von einer hohen Aufdeckungsrate dieser Taten aus, zumal Todesfälle bei Kindern zumindest im Raum Düsseldorf regelhaft obduziert werden. "Übersehene Kindsmorde sind unwahrscheinlich", so Hellen beim DGPPN-Kongress in Berlin.

Pflegebedürftige Eltern als Opfer?

Zu denken gibt ihr, dass bei der geringen Zahl von elf untersuchten Tötungen in zwei Fällen die Opfer pflegebedürftige Mütter waren. Hellen vermutet eine nicht unerhebliche Dunkelziffer bei Tötungsdelikten von Eltern, da die häusliche Pflegesituation häufig zu Isolation und Überforderung führt, die als ausweglos empfunden wird.

Zudem werden Todesfälle alter Menschen nur selten untersucht. "Da läuft sicher einiges an der Kriminalpolizei vorbei", so Hellen.

Die Prävention solcher Tötungen ist auf Basis der Untersuchung schwierig. In den analysierten Fällen lebten die Täterinnen isoliert und suchten keine Hilfe auf, obwohl die leicht zugänglich gewesen wäre und in einem Fall sogar konkret angeboten worden war. Dazu erfolgten die Tötungen ungeplant aus der Überforderungssituation heraus. (fk)

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