Ärzte Zeitung online, 12.03.2010

Die Muskeln der Fruchtfliegen - Ein Vorbild für Bodybuilder

MARTINSRIED (eb). Wissenschaftler aus Martinsried und Wien haben alle Gene der Fruchtfliege identifiziert, die eine Rolle bei der Entwicklung und Funktion von Muskeln spielen. Viele der Gene sind auch im Menschen vorhanden. Die Ergebnisse könnten helfen zukünftig Muskelerkrankungen früher zu erkennen.

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Ein genetisches Programm ist für die Entwicklung verschiedener Muskelzellen der Fruchtfliege verantwortlich. © Frank Schnorrer / MPI für Biochemie

Die Forscher haben erstmalig alle 12 000 Gene der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) systematisch auf ihre Rolle bei der Muskelentwicklung und Muskelfunktion untersucht. Durch über 25 000 Flugtests haben die Forscher rund 2000 Gene identifiziert, die eine Funktion in den Muskeln der Fliegen haben (Nature 464, 2010, 287).

"Ein Teil dieser Gene wird in allen Muskeln gebraucht", erklärt Dr. Frank Schnorrer vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried, "ein anderer Teil nur in den sehr schnellen, sehr kraftvollen Flugmuskeln." Dabei gehören die Flugmuskeln der Insekten zu den stärksten Muskeln im Tierreich überhaupt. "Sie können bis zu 100 Watt pro Kilogramm Muskelmasse erzeugen und das über einen langen Zeitraum", so Schnorrer, "davon können Bodybuilder oder Tour-de-France-Fahrer nur träumen." Diese schaffen dauerhaft etwa 30 Watt pro Kilogramm Muskelmasse.

Viele der gefundenen Gene sind auch im Menschen vorhanden und werden dort wahrscheinlich ebenfalls für eine normale Muskelfunktion benötigt. Eine Veränderung dieser Gene führt häufig zu Muskelerkrankungen. So ist etwa bekannt, dass Mutationen in den Laminin-Genen für bestimmte Muskeldystrophien verantwortlich sind. "Das Wissen über solche Zusammenhänge könnte in Zukunft helfen, Muskelerkrankungen früher zu erkennen und individuell zu behandeln", hofft Frank Schnorrer.

Zum Abstract der Originalpublikation "Systematic genetic analysis of muscle morphogenesis and function in Drosophila"

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