Ärzte Zeitung, 15.06.2004

Kinderherzsport-Gruppen - Eltern haben oft Vorbehalte

16 Gruppen gibt es bundesweit - es könnten viel mehr sein

KÖLN (akr). Zehn Jahr nach Gründung der ersten Kinderherzsportgruppen in Köln verzeichnet das Modell medizinische Erfolge - aber es mangelt an Teilnehmern. Viele Eltern glauben, daß sich Kinder mit angeborenen Herzfehlern beim Sport in der Gruppe zu sehr belasten. Die Initiatoren hoffen, mit Hilfe niedergelassener Ärzte mehr Eltern und Kinder zu gewinnen.

Kinderherzsportgruppe Köln mit Gaststar: Fußballer Gerald Asamoah ist selbst herzkrank. Foto: dpa

Die Deutsche Sporthochschule und die Universität Köln entwickelten 1994 das Sportgruppen-Konzept für Kinder mit angeborenen Herzfehlern. Ihre Studien zeigten, daß angemessener Sport den Kindern keineswegs schadet.

"Ihre Bewegungskoordination verbessert sich meßbar", sagt die Psychologin Dr. Elisabeth Sticker von der Universität Köln. Bei den Kindern haben auch soziale Schwierigkeiten wie Kontaktangst abgenommen.

In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Herzkrankes Kind konnten die Kölner Hochschulen das Modell auf ganz Deutschland ausdehnen. Mittlerweile existieren bundesweit 16 Gruppen. Es könnten weit mehr sein. "Neun Gruppen stehen in den Startlöchern", berichtet Sticker. Ihre Finanzierung ist gesichert, sie haben eine Halle, einen Trainer und einen Arzt. Aber: Es mangelt an Teilnehmern.

"Der Grund dafür ist nicht, daß es zu wenig betroffene Kinder gibt", betont Sticker. Jedes Jahr kommen in der Bundesrepublik 6000 Kinder mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. "Viele Eltern fürchten, daß den Kindern Sport schadet", sagt sie. Die Initiative versucht, mit Hilfe von Kinderärzten diese Eltern zu erreichen und hat ein Informationsblatt an Pädiater verschickt. "Bislang war die Resonanz aber gering", berichtet sie.

Dabei können gerade Kinderärzte Eltern davon überzeugen, daß Sport für die kleinen Patienten wichtig ist - auch in der Schule. Allerdings sollten Sportlehrer von herzkranken Kindern Kontakt mit den behandelnden Ärzten aufnehmen, betont Sticker. Die Initiative hat eine Broschüre für Sportlehrer erstellt, die Pädiater an Pädagogen weitergeben können.

Kontakt: Dr. Elisabeth Sticker, Fax: 0221/510 1311 oder E-Mail: e.sticker@web.de

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