Ärzte Zeitung, 13.07.2004

Regenwetter läßt giftige Pilze sprießen

Giftinformationszentralen melden Häufung von Vergiftungen bei Kleinkindern

GÖTTINGEN (pid). Der verregnete Sommer schlägt nicht nur auf die Stimmung, sondern birgt vor allem für Kleinkinder auch Gefahren. Darauf weist das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen hin. Das feucht-warme Wetter hat auf vielen Rasenflächen viele kleine Pilze sprießen lassen. Einige dieser Arten wie Rißpilze, Trichterlinge oder Helmlinge seien stark giftig.

Ein Kind beim Pilze-Sammeln. Das Giftinformationszentrum Nord rät Eltern, ihre Kinder unbedingt vor dem Verzehr von Pilzen zu warnen. Foto: pid

Auch ungiftige Arten könnten beim Rohverzehr Vergiftungserscheinungen hervorrufen, so die Giftexperten. In den vergangenen Tagen habe es mehrere Fälle gegeben, wo Kleinkinder beim Spielen im Garten Pilze in den Mund genommen und gegessen hätten, sagt Giftexperte Dr. Herbert Desel. Eltern sollten ihre Kinder unbedingt vor dem Verzehr von Pilzen warnen.

In der vergangenen Woche gab es bei den Göttinger Giftexperten fast täglich Anrufe von besorgten Eltern. Sowohl in Göttingen als auch in Celle, Hamburg, Lübeck und Paderborn hatten Kinder beim Spielen im Garten Pilze genascht. Die Göttinger Giftinformationszentrale ist für die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, und Hamburg zuständig, bekommt aber auch viele Anrufe aus anderen Bundesländern.

Hat ein Kind beim Spielen auf dem Rasen oder im Garten Pilze probiert, sollten Eltern auf keinen Fall eigene Behandlungsversuche unternehmen, sondern sich zunächst mit den Giftexperten in Verbindung setzen. Das sollten Ärzte ihren Patienten raten. Die Experten könnten dann Ratschläge geben, was in dem Fall zu tun ist.

Besorgte Eltern sollten auch nicht auf eigene Faust versuchen, ihr Kind zum Erbrechen zu bringen, sagt Desel. Vor allem sollten sie dem Kind kein Salzwasser zu trinken geben. In manchen älteren Medizinbüchern werde dies zwar immer noch empfohlen, um damit Erbrechen auszulösen. Bei Kindern sei diese Methode aber sehr gefährlich, weil sich dadurch die Salzkonzentration im Blut stark erhöhe. Dies könne in der Folge zu einem Hirnödem führen.

Das Giftinformationszentrum Nord (www.giz-nord.de) ist rund um die Uhr unter der Nummer 05 51 / 192 40 erreichbar.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »