Ärzte Zeitung, 30.08.2004

Spezieller Marker zeigt bei juveniler Arthritis frühzeitig neuen Schub an

Schübe sind stets mit steigender S 100-Protein-Konzentration im Serum verbunden

MÜNSTER (grue). Durch eine effektive und rechtzeitige Arzneitherapie kann heute vielen Kindern mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) geholfen werden. Schwierig zu beantwortende Fragen sind jedoch, ab wann Medikamente bei einer Remission abgesetzt werden können und wann ein Krankheitsschub wieder einen Therapiestart erfordert. Neuen Erkenntnissen zufolge sind hier die S 100-Proteine geeignete Marker, die gut mit der Aktivität der Erkrankungen korrelieren.

Die Therapie bei JIA besteht meist aus nicht-steroidalen Antirheumatika, Kortikoiden und Basistherapeutika wie Methotrexat. Eine noch relativ neue Option ist die Therapie mit Biologicals, wenn die Betroffenen auf herkömmliche Basistherapeutika oder Kombinationen daraus nicht ansprechen. Zugelassen für die Therapie bei aktiver polyartikulärer JIA bei Kindern ab vier Jahren ist bisher nur der TNF-alpha-Blocker Etanercept (Enbrel®).

Zwei von drei Kindern mit JIA bleiben bei medikamentöser Behandlung langfristig beschwerdefrei. Schwierig sein kann dann die Entscheidung, wie lange eine medikamentöse Behandlung noch fortgesetzt werden muß und auch, wann am besten wieder mit der Arzneitherapie begonnen werden sollte, wenn die Krankheit wieder aktiv wird.

"Wir brauchen zuverlässige Parameter, die einen erneuten entzündlichen Schub anzeigen", sagte Dr. Dirk Föll von der Uni-Kinderklinik Münster bei einer von dem Unternehmen Wyeth unterstützten Veranstaltung in Münster.

Bisher gibt es hier ein Defizit. Die klinische Abschätzung der Krankheitsaktivität ist für einen effektiven Schutz der Gelenke zu ungenau. Die Beurteilung im Kernspintomogramm ist zwar recht gut geeignet, aber sehr aufwendig und teuer. Die klassischen Entzündungsparameter C-reaktives Protein und Blutsenkungsgeschwindigkeit sind nur dann ausreichend sensitiv, wenn eine systemische Erkrankung vorliegt. Beide Parameter seien zudem zu unspezifisch für eine JIA-Synovitis, so Föll.

Ein gut mit der JIA-Aktivität korrelierender Marker scheint der lösliche IL-2 Rezeptor zu ein. Eine noch bessere Vorhersagekraft haben neuen Erkenntnissen zufolge S 100-Proteine, auch Calgranuline genannt, die von Monozyten und Granulozyten produziert werden. "Es handelt sich um Mediatoren, die Phagozyten aktivieren" sagte Föll. In eigenen Untersuchungen konnte der Pädiater belegen, daß ein neuer JIA-Schub stets mit einer steigenden S 100-ProteinKonzentration im Serum verknüpft ist, und zwar steigt die Konzentration der Proteine bereits Wochen bevor die Symptome stärker werden. Bei Therapie mit Etanercept fallen die S 100-Proteine dagegen innerhalb von vier Wochen deutlich.

Fast 80 Prozent der Kinder erreichen mit dem Zytokinhemmer Normwerte, die eine stabile Remission kennzeichnen, wie Föll berichtete. "Die S 100-Proteine eignen sich somit zum frühzeitigen Erkennen von Rezidiven und Restaktivität der Erkrankung." Die Ambulanz für Rheumatologie der Uni-Kinderklinik in Münster bietet auf Anfrage eine Serumuntersuchung auf S 100-Proteine an.

Infos zur Serumuntersuchung auf S 100-Proteine: dfoell@uni-muenster.de

STICHWORT

Juvenile idiopathische Arthritis

Jährlich erkranken etwa 1400 Kinder neu an juveniler idiopathischer Arthritis (JIA). Die Erkrankung ist damit bei Kindern häufiger als Diabetes mellitus oder zystische Fibrose. Die JIA, früher auch juvenile rheumatoide oder chronische Arthritis genannt, beginnt vor dem 16. Lebensjahr ohne erkennbare Ursache. Die Kinder haben Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinbußen an einem oder mehreren Gelenken, die länger als sechs Wochen anhalten. Die Verläufe sind sehr verschieden: von der Mono- und Oligoarthritis über die Polyarthritis bis hin zur systemischen Arthritis mit Organbeteiligung. Meist sind Gelenke der Extremitäten ab Knie und Ellenbogen nach distal betroffen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »