Ärzte Zeitung, 08.10.2004

Schmerzhafte Erytheme vor allem durch feuchte Kälte

Rekurrierende Dermatose an den Fußsohlen und Handinnenflächen von Kindern mit Hidradenitis / Schweißdrüsengänge nach Traumen blockiert

HEILBRONN (hsr). Damit werden Kollegen vielleicht bald konfrontiert: Kinder, die wegen schmerzhafter nodöser Erytheme an den Fußsohlen in die Praxis getragen werden und über ähnliche Hautveränderungen auch an den Handflächen klagen. Diese Symptome sind charakteristisch für die rekurrierende palmoplantare Hidradenitis (RPH) bei Kindern - und diese Dermatose tritt meist in der feuchtkalten Jahreszeit auf.

Die RPH ist bisher kaum beschrieben worden, in Deutschland erstmals vor acht Jahren, wie Professor Hansjörg Cremer berichtet (hautnah dermatologie 3, 2004, 138). Doch der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin aus Heilbronn hält die Erkrankung "für sicher wesentlich häufiger, als aufgrund der bisher spärlichen Mitteilungen zu erwarten wäre". Auffällig bei dem akut schmerzenden, rezidivierenden Syndrom seien die bei der Hälfte dieser Patienten sowohl an Händen als auch an Füßen erkennbaren rötlich-bläulichen Infiltrate. Diese werden nach Cremers Angaben zwar nicht selten als Perniones, also als Frostbeulen, fehlinterpretiert. Solcher Irrtum hat aber offenbar keine therapeutischen Konsequenzen: Gels gegen Frostbeulen nämlich linderten in der Regel auch deutlich die Schmerzen von Kindern mit RPH.

Der Pädiater stellt 18 an RPH erkrankte, im Mittel sechsjährige Kinder mit insgesamt 45 Schüben vor. Immerhin 38 Schübe wurden auf feuchte Kälte und drei auf Spielen im klammen Sand zurückgeführt. Vier Rezidiven ging - zunächst ohne klimatische Verknüpfung - ein Kontakt mit frischem Lack voraus. Eines der Kinder, bei denen dieser Kontakt mit Lack festgestellt wurde, entwickelte allerdings sechs Monate später einen neuen RPH-Schub durch Abkühlung bei feuchtkalter Witterung.

Als Ursache für die Dermatose vermutet Cremer eine vorübergehende, durch mechanische oder thermische Traumen ausgelöste Abflußbehinderung in den Schweißdrüsen-Ausführungsgänge. Die sich bildenden Ödeme führten zu Rupturen oder Nekrosen, Schweiß dringe ins umliegende Gewebe, was Entzündungsreaktionen mit Einwanderung weißer Blutkörperchen hervorrufe.

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