Ärzte Zeitung, 17.02.2005

Basisdiagnostik bei ADHS ist Sache von Pädiatern

Therapie bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung / Kinderpsychiater empfiehlt Ärzten Trainingsseminare

FRANKFURT AM MAIN (ner). Um die Diagnostik von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADS/ADHS) zu verbessern, sind nach Meinung des Berliner Kinderpsychiaters Dr. Michael Huss besonders die Pädiater gefordert. Huss empfiehlt die Teilnahme an ADS-Trainingsseminaren.

Wegen Symptomen von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei ihren Kindern wenden sich Eltern meist zu allererst an ihren Kinderarzt. Foto: klaro

Die Diagnostik von ADS/ADHS ist komplex und zeitaufwendig - ein Grund dafür, warum Betroffene oft erst spät behandelt werden. Ein anderer ist, daß charakteristische Auffälligkeiten wie impulsives Verhalten, motorische Unruhe und übermäßiger Bewegungsdrang oft jahrelang verkannt werden. Huss sieht deshalb die Pädiater gerade bei der Basisdiagnostik in der Pflicht. "Der Kinderarzt ist der Arzt des Vertrauens, die Wege zu ihm sind kurz, die Kontaktschwelle niedrig" - im Unterschied zu Psychologen und Psychiatern, so Huss von der Charité Berlin bei einer Veranstaltung des Unternehmens Lilly in Frankfurt am Main.

Allerdings geht ADS/ADHS relativ häufig mit weiteren Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Tics einher. Die genaue Differentialdiagnose sei daher Sache von Kinder- und Jugendpsychiatern oder von Psychologen. Die Leitsymptome von ADS/ADHS können mit speziellen Fragebögen für Eltern, Kind und Lehrer/Erzieher erfaßt werden. Hinzukommen körperliche, neurologische und labormedizinische Untersuchungen.

Um die Diagnose zu sichern, ist ein IQ-Test obligat sowie Tests von Teilfunktionen wie Gedächtnis, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Hinzu kommen gegebenenfalls fakultative Tests, bevor die Diagnose steht. Der Zeitaufwand beträgt nach Angaben des Hamburger Arbeitskreises zur Diagnostik der ADS/ADHS insgesamt etwa fünf Stunden.

Zu der in der Öffentlichkeit teilweise kontroversen Diskussion um die medikamentöse Behandlung von ADHS-Patienten hieß es bei der Veranstaltung, daß Medikamente die Basis bildeten, auf der begleitende Therapien oft überhaupt erst greifen können. Obligat sind die Eltern-Kind-Beratung, etwa zur Strukturierung des Alltags, verhaltenstherapeutische Maßnahmen sowie gegebenenfalls spezifische psychologische oder psychiatrische Behandlungen.

Zur Unterstützung dieser Therapieansätze ist ab März dieses Jahres ein neues ADHS-Medikament in Deutschland verfügbar. Das neue Medikament Atomoxetin (Strattera®) ist im Unterschied zu Methylphenidat kein Psychostimulans (wir berichteten). Der Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer kann unter anderem auch dann eingesetzt werden, wenn Methylphenidat nicht hilft oder kontraindiziert ist.

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