Ärzte Zeitung, 20.05.2005

Magnetresonanz-Urographie - eine strahlenfreie Alternative für Kinder

Szintigraphie und Röntgen sind bislang Standard bei angeborenen Harnflußstörungen

TÜBINGEN (ars). Mit der Magnetresonanz (MR)-Urographie lassen sich Funktion und Morphologie von Niere und Harnleiter seitengetrennt bestimmen - und zwar in einem Untersuchungsgang. Damit kann diese eine Methode die beiden bisher gebräuchlichen Diagnoseverfahren Szintigraphie und Ausscheidungsurographie ersetzen. Weil es bei der MR-Urographie keine Strahlenbelastung gibt, eignet sie sich vor allem für Kinder.

MR-Urographie bei einem Säugling mit gestauter Doppelniere rechts und Ureterozele (Pfeil). Fotos (2): PD Wiltrud Rohrschneider

Angeborene Harntransportstörungen gehören zu den häufigsten Fehlbildungen bei Säuglingen. Sie können von Niere oder Ureter ausgehen und haben einen Harnstau zur Folge. Bei der Diagnose steht an erster Stelle der Ultraschall.

Bei diesem Baby ist die Ursache des Harnstaus rechts, eine Ureterozele (Pfeil), in der MRT (li) besser sichtbar als im Röntgenbild.

Bleiben danach Unklarheiten, wurden bisher meist zwei strahlenbelastende Methoden verwendet: die Szintigraphie zur Bestimmung von Nierenfunktion und Harnabfluß sowie die Ausscheidungsurographie (AU) zur Bestimmung der Morphologie.

Beide können nun durch eine einzige Untersuchung mit zwei direkt hintereinander geschalteten Untersuchungsgängen ersetzt werden: die statisch-dynamische MR-Urographie. Privatdozentin Wiltrud Rohrschneider vom St. Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen stellte die Methode bei einem Kongreß in Tübingen vor.

Indikationen sind zum Beispiel komplizierte Doppelnieren, ektope Beckennieren, ein unklares morphologisches Bild oder unterschiedliche Befunde bei den konventionellen Verfahren sowie die perioperative Kontrolle. Freilich ist die Methode relativ zeitaufwendig und macht eine Sedierung der Kinder erforderlich.

Mit ihren statischen Sequenzen liefert die MR-Urographie nach Injektion von Furosemid, das die Harnleiter weit stellt, eine detaillierte und exakte Abbildung der anatomischen Gegebenheiten. Zum Beispiel sind ein Ureter fissus oder duplex, ein ektoper Ureter oder multizystisch-dysplastische Nieren gestochen scharf zu erkennen.

Darin ist sie der herkömmlichen AU deutlich überlegen: Nach einer vergleichenden Studie von Rohrschneider bildet die MR-Urographie Stenosen zu 100 Prozent ab, die AU jedoch nur zu 53 Prozent, Zusatzbefunde gibt sie ebenfalls zu 100 Prozent wieder, die AU aber nur zu 25 Prozent. "Das ist eine eklatante Verbesserung", so die Radiologin zur "Ärzte Zeitung".

Mit ihrer dynamischen Komponente ahmt die MR-Urographie das Prinzip einer Szintigraphie nach, nur daß statt eines radioaktiven Tracers das Kontrastmittel Gadolinium-DTPA verwendet wird. In Serien mit bis zu 150 Bildern läßt sich das Anfluten des Kontrastmittels über die Nierenränder ins Mark und das Ablaufen über die Harnleiter verfolgen. Daraus können Zeit-Intensitäts-Kurven von Nierenfunktion und Harnabfluß erstellt werden.

Bei komplizierten Doppelnieren zum Beispiel ist es möglich, die Funktion jedes einzelnen Organteils oben und unten, rechts und links quantitativ genau zu erfassen - eine Leistung, die bei weitem die Möglichkeiten der Szintigraphie überschreitet. Aus den berechneten Ergebnissen läßt sich die Entscheidung für die Behandlung treffen: Welche Nierenteile funktionieren so schwach, daß man sie besser entfernt? Trotz ihrer Vorteile wird die in Heidelberg erarbeitete MR-Urographie erst an wenigen Universitätskliniken genutzt.

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