Ärzte Zeitung, 01.07.2005

"Das Massensterben ist ein Skandal"

Unicef legt Jahresbericht vor: 4,7 Millionen tote Kinder jährlich südlich der Sahara

NEU-ISENBURG (ag). Internationale Kraftanstrengungen für das Überleben der Kinder in Afrika hat Unicef gestern aus Anlaß seiner Jahrespressekonferenz gefordert. Allein in den Ländern südlich der Sahara stürben jedes Jahr 4,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren, das sind etwa 45 Prozent aller gestorbenen Kinder weltweit, obwohl in den betroffenen Ländern nur zwölf Prozent der Weltbevölkerung leben.

Noch immer stirbt fast jedes fünfte Kind in der Region vor seinem fünften Geburtstag. Foto: Unicef

Zwar sei es den Helfern gelungen, durch Impfkampagnen und bessere Hygiene die Kindersterblichkeit seit den 1960er Jahren zu senken, so Unicef. Doch noch immer sterbe fast jedes fünfte Kind in der Region vor seinem fünften Geburtstag. In Ländern wie Botswana, Kamerun, Elfenbeinküste, Kenia, Südafrika, Swasiland und Simbabwe sei die Kindersterblichkeit sogar gestiegen. In zehn weiteren Ländern liege sie immer noch auf dem Stand von 1990.

Der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Reinhard Schlagintweit, appellierte gestern an die Parteien, vor der geplanten Bundestagswahl ein klares Bekenntnis zur Verantwortung Deutschlands bei der langfristigen Armutsbekämpfung zu geben. "Nur wo Kinder gesund aufwachsen, zur Schule gehen und vor Ausbeutung und Gewalt geschützt werden, können Armut und Unterentwicklung überwunden werden. Dies ist nicht nur ein Gebot der Humanität, sondern auch der politischen Klugheit", so Schlagintweit.

"Das stille Massensterben der Kinder in Afrika ist ein Skandal", wurde Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von Unicef Deutschland, deutlich. "Mit einfachen und kostengünstigen Maßnahmen wie Impfungen, imprägnierten Moskitonetzen oder der Ausbildung von Hebammen könnte man allein in Afrika jedes Jahr einer Million Kindern das Leben retten."

Weitere Infos: www.unicef.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »