Ärzte Zeitung, 15.09.2006

Kinder haben Sehstörungen, weil sie zu wenig trinken

Arzt empfiehlt Grundschülern einen Liter pro Tag

GÖTTINGEN (pid/ug). Immer mehr Schulkinder leiden an Sehstörungen, weil sie zu wenig trinken und morgens nicht frühstücken. Auf diese Entwicklung haben jetzt Göttinger Ärzte hingewiesen.

Viele Kinder trinken in der Schule nichts oder selten. Die Folgen sind Konzentrationsschwäche und neurologische Beschwerden. Foto: obs/Forum Trinkwasser

"Immer häufiger kommen Schüler mit unklaren Sehbeschwerden in unsere Praxis", berichtet der Göttinger Augenarzt und Vorsitzende der Bürgerstiftung Göttingen Dr. Peter Cordes. Die augenärztlichen Untersuchungen seien jedoch meist unauffällig, so Cordes: "Diese Kinder brauchen keine Brille, aber sie sehen schlecht."

Sobald man nach der Ernährung frage, werde der Grund für die Sehschwäche deutlich: Die meisten Kinder trinken morgens nichts. Das sei eine Erfahrung, die er sehr häufig in seiner Praxis mache, sagte der Göttinger Ophthalmologe im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Eine Studie des Paderborner Ernährungswissenschaftlers Professor Helmut Heseker hat ergeben, daß 30 Prozent der Schüler von Haupt- und Realschulen ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr am Unterricht teilnehmen. Dies habe gravierende Folgen, so Cordes. Nicht nur die Leistungsfähigkeit der Kinder sinke, auch neurologische Beschwerden wie Schwindel sowie Hör- und Sehstörungen könnten auftreten.

Sobald die Kinder täglich ausreichend Flüssigkeit zu sich nähmen, verschwänden die Beschwerden schnell wieder, hat Cordes festgestellt. Grundschüler der ersten Klasse sollten pro Tag zwischen 800 und 1000 Milliliter trinken, Jugendliche in der Pubertät 1,5 Liter, empfiehlt der Mediziner.

Daß viele Kinder nicht genug trinken, liege meist am Verhalten der Eltern, so Cordes. Diese hätten oft verlernt, was zur guten Ernährung gehört. Oft gebe es zu Hause auch kein gemeinsames Frühstück, viele Kinder seien auf sich allein gestellt.

Die Bürgerstiftung Göttingen, die Cordes gegründet hat und in der auch viele Ärzte engagiert sind, will dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. Im vergangenen Jahr hat sie vier Hauptschulen und Schulzentren mit Wasserautomaten ausgestattet. Dieses Angebot hätten bereits 60 Prozent aller Kinder genutzt, sagt Cordes.

Außerdem gibt es eine Initiative von Göttinger Kinderärzten. Diese wollen verstärkt in die Kindergärten gehen und Eltern beraten, wie sie für eine gesunde Ernährung ihrer Kindern sorgen können.

Weitere Informationen zum Thema Trinken finden Sie auch im Internet unter www.forum-trinkwasser.de

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